top of page

Immer mehr Eltern in Tschechien treiben ausstehende Unterhaltszahlungen per Zwangsvollstreckung ein

Die Nichtzahlung von Kindesunterhalt ist in Tschechien grundsätzlich keine Straftat – das könnte sich künftig wieder ändern

Immer mehr Eltern in Tschechien treiben ausstehende Unterhaltszahlungen per Zwangsvollstreckung ein
Foto: Sandra Seitamaa | Unsplash

Immer mehr Eltern in Tschechien setzen auf den Rechtsweg, um ausstehende Unterhaltszahlungen für ihre Kinder durchzusetzen. Die Zahl der Vollstreckungsverfahren ist innerhalb eines Jahres um rund 30 Prozent gestiegen.


Seit Jahresbeginn greifen deutlich mehr Eltern in Tschechien zu rechtlichen Schritten, um ausstehende Unterhaltszahlungen für ihre Kinder einzutreiben. Nach Angaben der Exekutorenkammer stieg die Zahl der eingeleiteten Vollstreckungsverfahren in den ersten fünf Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 30 Prozent.


Während bis Ende Mai vergangenen Jahres rund 1.600 Verfahren wegen nicht gezahlter Unterhaltsleistungen eingeleitet wurden, waren es in diesem Jahr bereits mehr als 2.100, berichtet der Nachrichtensender ČT24.


Die Assoziation unvollständiger Familien (Asociace neúplných rodin) berichtet von einem deutlichen Anstieg der Anfragen. Nach Angaben der Organisation nahm die Zahl der Beratungen auf der kostenlosen Hotline um rund 20 Prozent zu. Die Zahl der Eltern, die Unterstützung bei der Einleitung einer Zwangsvollstreckung beantragten, stieg im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 um etwa 16 Prozent.


Ein Grund für diese Entwicklung dürfte eine Gesetzesänderung sein, die seit Januar gilt. Die Nichtzahlung von Kindesunterhalt ist in Tschechien grundsätzlich keine Straftat mehr – es sei denn, das Kind gerät dadurch unmittelbar in eine Notlage. Viele betroffene Elternteile, die bislang Strafanzeige erstatteten, suchen deshalb nun nach zivilrechtlichen Möglichkeiten, offene Unterhaltszahlungen einzufordern.


Nach Einschätzung der Assoziation spielt zudem die Einführung der neuen sogenannten „Superdávka“ (Sozialleistung) eine wichtige Rolle. Diese bündelt mehrere Leistungsansprüche zu einer einheitlichen Zahlung. Bei der Berechnung des Anspruchs wird jedoch auch gerichtlich zugesprochener Kindesunterhalt als Einkommen berücksichtigt – selbst dann, wenn dieser tatsächlich nicht gezahlt wird.


Neue Regelung führt zu mehr Zwangsvollstreckungen


Wer stattdessen Anspruch auf staatlichen Unterhaltsvorschuss erhalten möchte, muss zunächst nachweisen, dass der Unterhalt aktiv eingetrieben wird. Nach Angaben der Organisation habe diese Regelung in den vergangenen Monaten viele Eltern dazu veranlasst, erstmals ein Zwangsvollstreckungsverfahren einzuleiten.


Betroffene handeln inzwischen schneller: Während sich Eltern im Jahr 2023 durchschnittlich erst nach 14,3 Monaten ohne Unterhaltszahlungen an die Beratungsstelle wandten, liegt dieser Zeitraum im ersten Halbjahr 2026 nur noch bei durchschnittlich 11,3 Monaten.


Unterdessen könnte die Nichtzahlung von Kindesunterhalt in Tschechien künftig wieder strafrechtliche Folgen haben. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Regierungskoalition befindet sich derzeit in der zweiten Lesung im Abgeordnetenhaus.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

bottom of page