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Ein Viertel der Prager Bevölkerung hat eine ausländische Staatsangehörigkeit

vor 10 Minuten
2 Min. Lesezeit

Ohne internationale Zuwanderung würde die Einwohnerzahl der tschechischen Hauptstadt langfristig sinken

Foto: Zbyněk Polák | Unsplash
Foto: Zbyněk Polák | Unsplash

Prags Bevölkerungsentwicklung wird zunehmend von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit geprägt. Eine neue Studie zeigt ihre Bedeutung für die Wirtschaft und die demografische Entwicklung der Hauptstadt – und benennt Herausforderungen für die künftige Stadtplanung.


Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind zu einem wesentlichen Bestandteil der Entwicklung Prags geworden. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts für Planung und Entwicklung der Hauptstadt Prag (IPR Praha) hervor. Während die Zahl der Einwohner mit tschechischer Staatsangehörigkeit langfristig stagniert oder leicht zurückgeht, ist die Zahl der ausländischen Einwohner seit 2001 auf nahezu das Sechsfache gestiegen. Heute stellen sie rund ein Viertel der Prager Bevölkerung.


Zwischen 2001 und 2024 erhöhte sich ihre Zahl von rund 61.000 auf 354.000. Bis 2050 könnten mehr als 600.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Prag leben. Ohne ihren Zuzug würde die Hauptstadt der Studie zufolge langfristig Einwohner verlieren. Auch künftig dürfte die internationale Zuwanderung die Bevölkerungsentwicklung wesentlich bestimmen.


Ukrainische Staatsangehörige bilden die größte Gruppe


Einen besonders starken Zuzug löste 2022 der Krieg in der Ukraine aus. Die Zahl der ukrainischen Staatsangehörigen in Prag stieg auf rund 168.000. Ende 2024 stellten sie damit fast die Hälfte aller ausländischen Einwohner der Hauptstadt.


Weitere große Gruppen bilden slowakische Staatsangehörige mit einem Anteil von etwa neun Prozent, russische Staatsangehörige mit sieben Prozent und vietnamesische Staatsangehörige mit 4,5 Prozent der ausländischen Bevölkerung.


Wichtiger Beitrag zur Wirtschaft und zur demografischen Entwicklung


„Internationale Einwohner sind ein wichtiger Bestandteil der Prager Wirtschaft. Sie arbeiten sowohl in hoch qualifizierten Berufen als auch in Branchen, ohne die das tägliche Funktionieren der Stadt schwierig wäre – im Bauwesen, im Handel, im Dienstleistungssektor, in der Gastronomie oder in der Verwaltung“, sagt Petr Hlaváček, stellvertretender Prager Oberbürgermeister für Stadt- und Strategieentwicklung.


Zugleich tragen ausländische Einwohner dazu bei, die Prager Bevölkerung zu verjüngen und die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zu stärken. Ihr Durchschnittsalter liegt bei etwa 35,5 Jahren. Die gesamte Prager Bevölkerung ist im Durchschnitt dagegen fast 42 Jahre alt.


IPR-Direktor Ondřej Boháč warnt jedoch davor, internationale Migration ausschließlich als Quelle junger Arbeitskräfte zu betrachten. „Langfristig können wir internationale Migration nicht nur als Quelle junger Arbeitskräfte verstehen. Die Menschen, die heute zuziehen, werden in Prag nach und nach älter. Die Frage für die Zukunft ist deshalb nicht, ob Prag eine internationale Stadt sein wird – Prag ist es bereits. Die zentrale Herausforderung besteht darin, diesen Wandel gut zu gestalten, also Wohnraum, Schulen, Dienstleistungen und Infrastruktur so zu planen, dass die Stadt für alle ihre Einwohner funktionsfähig bleibt und der gesellschaftliche Zusammenhalt gewahrt wird“, erklärt Boháč.


Mehr Vielfalt, weiterhin geringe räumliche Segregation


Die Studie zeigt außerdem, dass die zunehmende Vielfalt bislang nicht mit einer deutlich stärkeren räumlichen Trennung der Bevölkerungsgruppen einhergeht. Die meisten ausländischen Einwohner leben über das Stadtgebiet verteilt und werden nach und nach Teil des Prager Alltags.


Zwar konzentrieren sie sich in einigen Gebieten stärker als in anderen, insgesamt bleibt das Ausmaß der räumlichen Segregation jedoch gering.


Die Einbindung in das gesellschaftliche Leben erleichtert den Spracherwerb und verbessert Bildungs- und Berufschancen. Zugleich kann sie verhindern, dass sich soziale Ungleichheiten weiter verschärfen.


Für Prag kommt es deshalb darauf an, mögliche neue Barrieren frühzeitig zu erkennen. Bezahlbarer Wohnraum, zugängliche Dienstleistungen und Möglichkeiten zur Begegnung sollen dazu beitragen, dass alle Einwohner am Leben der Stadt teilhaben können.

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