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Tschechien plant deutliche Erhöhung der Lkw-Maut ab Juli 2027

vor 5 Minuten
3 Min. Lesezeit

Die Mautsätze für schwere Lastkraftwagen sollen an das Niveau der Nachbarländer angepasst werden – Busse sind von der geplanten Erhöhung ausgenommen

Tschechien plant deutliche Erhöhung der Lkw-Maut ab Juli 2027
Foto: Ministerstvo dopravy ČR

Tschechien will die Mautgebühren für schwere Lastkraftwagen deutlich anheben. Ab Juli 2027 sollen höhere Sätze gelten, um den internationalen Transitverkehr stärker an den Kosten der Straßeninfrastruktur zu beteiligen.


Das tschechische Verkehrsministerium hat einen Entwurf zur Änderung der geltenden Mautverordnung in das ressortübergreifende Stellungnahmeverfahren eingebracht. Die neuen Gebühren sollen ab Juli 2027 für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen gelten. Busse sind von der geplanten Erhöhung ausgenommen, ihre Mautsätze bleiben unverändert.


Ziel der Reform ist es, die Gebühren für schwere Lastkraftwagen stärker an das Niveau der Nachbarstaaten anzugleichen. Nach Ansicht des Verkehrsministeriums haben die vergleichsweise niedrigen Mautgebühren in Tschechien dazu geführt, dass internationale Speditionen ihre Routen verstärkt über tschechische Autobahnen führen.


Verkehrsminister Ivan Bednárik bezeichnete Tschechien in diesem Zusammenhang als eine Art Niedrigmaut-Insel in Mitteleuropa. Die Gebühren lägen nicht nur unter denen in Deutschland und Österreich, sondern auch unter dem Niveau der Slowakei und Ungarns. Dadurch werde internationaler Transitverkehr gezielt auf tschechische Straßen verlagert.


Besonders auf den wichtigen Transitautobahnen D1, D5 und D8 sei die Zahl der Lastkraftwagen seit der Corona-Pandemie um insgesamt mehr als 15 Prozent gestiegen. Nach Ansicht des Ministers sei es deshalb an der Zeit, die Mautsätze zumindest an das Niveau einiger Nachbarländer anzugleichen.


Tschechien plant deutliche Erhöhung der Lkw-Maut ab Juli 2027
Foto: Ministerstvo dopravy ČR

Maut für schwere Lkw steigt auf Autobahnen um rund 19 Prozent


Für die am häufigsten eingesetzte Kategorie schwerer Lastkraftwagen – Fahrzeuge über zwölf Tonnen mit mindestens fünf Achsen, der Emissionsklasse Euro VI und der CO₂-Klasse 1 – sieht der Entwurf eine Erhöhung der Autobahnmaut um 18,52 Prozent vor. Auf Straßen erster Klasse sollen die Gebühren sogar um 26,6 Prozent steigen.


Auf Autobahnen würde der Mautsatz damit von derzeit rund 5,96 Kronen auf 7,07 Kronen pro Kilometer steigen. Das entspricht einer zusätzlichen Belastung von etwa 1,10 Kronen pro Kilometer. Auf Straßen erster Klasse beträgt die geplante Erhöhung rund 0,97 Kronen je Kilometer.


Ein Vergleich mit ausgewählten Nachbarländern zeigt deutliche Unterschiede bei den Mautgebühren. In Österreich liegt die Maut für die entsprechende Fahrzeugkategorie bei umgerechnet 13,85 Kronen pro Kilometer, in Deutschland bei 8,42 Kronen. In der Slowakei werden 6,48 Kronen und in Polen dagegen lediglich 3,14 Kronen pro Kilometer berechnet.


Welche Auswirkungen die Erhöhung auf einzelne Transporte hätte, verdeutlicht das Ministerium anhand einer Fahrt von der slowakischen zur deutschen Grenze. Für die Strecke vom Grenzübergang Lanžhot über die Autobahnen D2 und D1, einen Abschnitt des Prager Autobahnrings und die D5 bis nach Rozvadov zahlt ein entsprechender Lastkraftwagen derzeit 2.565 Kronen. Ab Juli 2027 wären es nach dem vorliegenden Entwurf 3.040 Kronen und damit 475 Kronen mehr.


Bis zu vier Milliarden Kronen zusätzliche Einnahmen pro Jahr


Mit der geplanten Anhebung verbindet das Verkehrsministerium auch erhebliche finanzielle Erwartungen. Bereits im zweiten Halbjahr 2027 sollen die Mauteinnahmen um rund 1,6 Milliarden Kronen steigen. Für die darauffolgenden Jahre rechnet das Ministerium mit zusätzlichen Einnahmen von etwa vier Milliarden Kronen jährlich.


Die Gelder sollen in den Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur fließen. Neben neuen Straßen und Autobahnen könnten damit auch zusätzliche Autobahnrastplätze finanziert werden.


Befürchtungen, dass die höheren Mautgebühren zu deutlich steigenden Verbraucherpreisen führen könnten, weist Verkehrsminister Bednárik zurück. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen in der Transportbranche sei er überzeugt, dass die Maut nur einen vergleichsweise geringen Anteil an den gesamten Transportkosten ausmache. Die Auswirkungen auf die Preise einzelner Waren bewegten sich seiner Einschätzung nach lediglich im Bereich weniger Heller.


Der Entwurf befindet sich derzeit im ressortübergreifenden Stellungnahmeverfahren. Nach Abschluss der Prüfung und der Bearbeitung möglicher Einwände soll die geplante Änderung der Regierung zur Entscheidung vorgelegt werden.

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