Archäologischer Fund in Brünn: Haus aus dem 13. Jahrhundert unter dem Janáček-Kulturzentrum entdeckt
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Alltagsgegenstände als Zeitzeugen: Keramik, Werkzeuge und Muscheln erzählen vom Leben der Menschen

Unter dem zukünftigen Janáček-Kulturzentrum in Brünn haben Archäologen ein nahezu vollständig erhaltenes Haus aus dem 13. Jahrhundert freigelegt. Die Funde geben einen einzigartigen Einblick in das mittelalterliche Leben der Stadt.
Die Archäologen des Stadtmuseums Brünn und der Firma Archaia Brno schließen derzeit die Hauptphase ihrer Untersuchungen in der Veselá-Straße ab. Neben tausenden kleineren Artefakten – von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter – sticht besonders die Entdeckung des mittelalterlichen Hauses hervor. „Wir haben das vollständig erhaltene Erdgeschoss eines Steinhauses aus dem 13. Jahrhundert freigelegt. Solche Häuser sind in der mittelalterlichen Stadtbebauung Brünns äußerst selten, und bisher fanden wir nur Bruchstücke beschädigter Gebäude. Ein derart gut erhaltener Bau ist einzigartig“, erklärt Aleš Navrátil vom Stadtmuseum Brünn.
Die hohe Grundwasserlage hat die hölzernen Bauteile, insbesondere Konstruktionen wie Kellerholzverkleidungen, Brunnen und Abwassergruben, hervorragend konserviert. „Dank dieser Funde können wir die Bauweise nachvollziehen, die sonst kaum erhalten ist. Wir erhalten ein detailliertes Bild des mittelalterlichen Zimmererhandwerks, und anhand der Jahresringe lassen sich die Objekte relativ genau datieren“, so Navrátil weiter.

Die Schichten, die während der Stadtentwicklung über die Jahrhunderte entstanden, reichen bis knapp drei Meter tief. „Wir dokumentieren hier über 700 Jahre Stadtgeschichte. Eine ähnlich umfangreiche und gut erhaltene Fläche im Zentrum Brünns gibt es nicht mehr“, betont Marek Peška, Direktor von Archaia Brno.
Für das Verständnis des mittelalterlichen Alltagslebens sind archäologische Ausgrabungen unverzichtbar. „Schriftliche Quellen geben meist nur Einblick in die Oberschicht. Was die Menschen im Alltag nutzten oder wegwarfen, erfahren wir nur vor Ort. Deshalb ist die Forschung so wichtig“, erklärt Navrátil.

Neben den Gebäudestrukturen entdeckten die Archäologen tausende Alltagsgegenstände, darunter Keramikfragmente, Tierknochen und Eisenteile von Werkzeugen, Möbeln oder Bauelementen. Sogar Artefakte aus der Jungsteinzeit wie Flintstücke oder eine steinerne Axt kamen zum Vorschein, ebenso eine Muschel, die auf Kontakte zum Mittelmeerraum hinweist.
Die kleineren Funde werden künftig Teil der Sammlung des Stadtmuseums Brünn, die Gebäudekonstruktionen müssen jedoch der Baustelle weichen. Zuvor werden sie detailliert gezeichnet, fotografiert und per 3D-Scan dokumentiert. „Zur Aufnahme solcher Flächen nutzen wir heute Drohnen, für größere Konstruktionen setzen wir 3D-Scans ein“, erläutert Navrátil.

Die aufwendigste Phase der Ausgrabungen, an der täglich rund 30 Personen beteiligt waren, endet am 20. Dezember. Kleinere Arbeiten im Bereich der Baugrube sollen 2026 folgen, ohne den Baufortschritt zu beeinträchtigen. Die Baustelle für das Kulturzentrum läuft planmäßig: Die Bohrpfahlwand ist fertig, Stromleitungen verlegt, und rund 20 Prozent der Baugrube sind ausgehoben. Im kommenden Jahr verlagern sich die Arbeiten auf das künftige Technologiezentrum, inklusive Bohrungen, Pfahlgründungen und Spritzbetonwände, informiert Brünns Bürgermeisterin Markéta Vaňková.
„Bei der Planung dieses Projekts hätten wir nie gedacht, dass wir so tief in die Geschichte vordringen würden“, sagt Luděk Borový, Geschäftsführer von Brněnské komunikace a.s.

Marie Kučerová, Direktorin der Brünner Philharmonie, ergänzt: „Als Historikerin freue ich mich über die neuen Erkenntnisse zum Leben im mittelalterlichen Brünn. Und als Musikwissenschaftlerin darauf, dass dieses historische Erbe künftig von Musik erfüllt wird.“





