90 Jahre Obus in Prag: Jubiläum mit Blick in die Zukunft
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In Prag begann die Entwicklung moderner Trolleybusse in den 1930er Jahren, zunächst mit Teststrecken und Prototypenfahrzeugen

Mit einem umfangreichen Programm würdigt Prag die Einführung des Trolleybusverkehrs vor 90 Jahren – und schlägt gleichzeitig die Brücke zur Zukunft der emissionsfreien Mobilität.
Die tschechische Hauptstadt und die Verkehrsbetriebe Dopravní podnik hl. m. Prahy (DPP) erinnern in diesem Jahr an ein besonderes Jubiläum: Vor 90 Jahren nahm in Prag die erste Obuslinie (Oberleitungsbus) ihren Betrieb auf. Am 28. August 1936 fuhr erstmals die Linie K auf der Strecke zwischen Střešovice und Svatý Matěj.
Zum Jubiläum haben die Verkehrsbetriebe ein umfangreiches Programm vorbereitet. Geplant sind unter anderem Tage der offenen Tür, Sonderfahrten mit historischen Fahrzeugen sowie eine Ausstellung im Depot Střešovice. Höhepunkt der Feierlichkeiten soll das erste Septemberwochenende sein, an dem der zentrale Teil des Programms stattfindet. Die Details wollen die Verkehrsbetriebe schrittweise veröffentlichen. Das Motto der diesjährigen Feier lautet: „Trolleybus feiert, Prag hat Spaß“ (Trolejbus slaví, Praha se baví).

Bereits im vergangenen Jahr hatte Prag 150 Jahre öffentlichen Nahverkehr sowie 100 Jahre Busbetrieb begangen. Nun richtet sich der Blick auf die Geschichte der Trolleybusse, die einst eine wichtige Rolle im Stadtverkehr spielten und heute eine Renaissance erleben.
„Obusse stehen für technischen Fortschritt und umweltfreundliche Mobilität. Das 90-jährige Jubiläum erinnert daran, dass Prag schon immer zu den Städten gehörte, die Innovationen vorantreiben“, erklärt Jan Šurovský, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und technischer Direktor für den Oberflächenverkehr der Prager Verkehrsbetriebe.
Im Rahmen der Feierlichkeiten startet zudem eine spezielle Kampagne: Busse, Straßenbahnen und Trolleybusse erhalten einen auffälligen Jubiläums-Look. Bereits in diesen Tagen gehen entsprechend gestaltete Fahrzeuge in den Einsatz, darunter Busse des Typs SOR NB 18 sowie eine historische Straßenbahn aus dem Verkehrsmuseum. Später soll auch ein moderner Trolleybus des Typs Škoda 36Tr folgen.

Das Begleitprogramm umfasst neben Ausstellungen und Führungen auch Sonderfahrten historischer Fahrzeuge Anfang September. Ergänzend bietet der DPP im eigenen Fanshop verschiedene Erinnerungsstücke an – von Souvenirs bis hin zu einer neu aufgelegten Publikation über die Geschichte des Prager Nahverkehrs.
Rückkehr eines Verkehrsmittels mit Tradition
In den vergangenen Jahren hat Prag den Ausbau des Obusnetzes gezielt vorangetrieben. Moderne Fahrzeuge mit Batterieunterstützung ermöglichen einen flexiblen und emissionsfreien Betrieb. Erst Anfang April wurde mit der Linie 52 eine weitere Verbindung in das Netz aufgenommen. Bereits zuvor waren die Linien 58 und 59 in Betrieb gegangen, weitere Strecken befinden sich in Vorbereitung.
Langfristig gilt der Trolleybus als wichtiger Baustein für eine nachhaltige Mobilität in der Stadt – insbesondere als Ersatz für stark frequentierte Buslinien.

Historische Wurzeln reichen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück
Die Geschichte des Obusses in der Region reicht noch weiter zurück. Bereits 1907 wurde eine erste Linie zwischen České Velenice und dem österreichischen Gmünd eröffnet. In Prag selbst begann die Entwicklung moderner Trolleybusse in den 1930er Jahren, zunächst mit Teststrecken und Prototypenfahrzeugen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Netz rasch ausgebaut und erreichte in den 1950er Jahren seinen Höhepunkt. Infolge politischer Entscheidungen kam es jedoch schrittweise zur Stilllegung, bis der Betrieb 1972 vollständig eingestellt wurde. Seit 2017 beziehungsweise 2022 erlebt der Obus in Prag ein Comeback – und entwickelt sich seither dynamisch weiter.








