Tschechischer Arbeitsmarkt 2026: Fachkompetenz, Flexibilität und Künstliche Intelligenz
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Im letzten Jahr zeigte sich der tschechische Arbeitsmarkt stabil und relativ widerstandsfähig, gleichzeitig wurde der Strukturwandel deutlicher

Der tschechische Arbeitsmarkt blieb 2025 zahlenmäßig stabil, doch hinter der Fassade vollziehen sich spürbare Veränderungen: Arbeitsplätze wandern verstärkt in den Dienstleistungssektor, und Unternehmen setzen zunehmend auf Flexibilität sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften.
Der tschechische Arbeitsmarkt blieb 2025 in absoluten Zahlen stabil, doch hinter der Fassade vollzogen sich spürbare Veränderungen. Die Arbeitslosigkeit stieg nur leicht, die Reallöhne wuchsen weiter, und immer mehr Arbeitsplätze wanderten in den Dienstleistungssektor. Unternehmen setzten verstärkt auf Flexibilität und Verfügbarkeit sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften – ein Trend, der sich 2026 voraussichtlich noch verstärken wird.
Laut Martin Jánský, Geschäftsführer von Randstad Tschechien, werden im kommenden Jahr nicht mehr primär die Stellen, sondern konkrete Fähigkeiten ausschlaggebend sein. Zudem gewinnt der praktische Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie die Vorbereitung auf neue Anforderungen in Vergütung und Personalmanagement an Bedeutung.
Strukturwandel im Arbeitsmarkt
2025 zeigte sich der Arbeitsmarkt stabil und relativ widerstandsfähig, gleichzeitig wurde der Strukturwandel deutlicher. Langfristig verlagern sich Arbeitskräfte vom primären und sekundären Sektor in den tertiären – also in den Dienstleistungs- und Pflegebereich. Anfang 2025 arbeiteten bereits rund 62 % aller Beschäftigten in diesem Bereich.

Die Beschäftigung stieg nur leicht, wobei sich ihre Zusammensetzung veränderte. Vor allem Frauen trugen zum Wachstum bei, während die Beschäftigung von Männern leicht zurückging, unter anderem infolge des Rückgangs bestimmter industrieller Tätigkeiten. Ein weiterer Trend war die Zunahme kürzerer Arbeitsverträge, was ebenfalls bei Frauen häufiger vorkam. Dies spiegelte sich im Unterschied zwischen der Gesamtzahl der Beschäftigten und der Berechnung in Vollzeitäquivalenten (FTE) wider. Die Arbeitslosigkeit stieg von 4,3 % zu Jahresbeginn auf 4,6 %.
„Auf den ersten Blick wirkt der tschechische Arbeitsmarkt stabil, doch im Inneren verschiebt sich vieles – von der Produktion hin zu Dienstleistungen, von Vollzeitstellen zu flexibleren Arbeitsformen“, fasst Jánský zusammen.
Reallöhne steigen weiter
Die Reallöhne setzten 2025 ihren Aufwärtstrend fort, wenn auch mit leicht verlangsamtem Tempo. Im zweiten Quartal stieg der Durchschnittslohn nominal um 7,8 % und real um 5,3 % (Median: CZK 41.115), im dritten Quartal betrugen die Zuwächse nominal 7,1 % und real 4,5 %.
Trotz niedriger Arbeitslosigkeit kämpften Unternehmen weiterhin vor allem mit Fachkräftemangel und Qualifikationslücken, insbesondere in digitalen, sprachlichen oder fachlichen Kompetenzen. Besonders deutlich war dies bei qualifizierten Berufen wie im Bauwesen.
„Es geht nicht nur ums Gehalt, sondern um Talente, Spezialisten und gefragte Fähigkeiten“, betont Jánský.
Für 2026 erwarten Unternehmen, dass Personalplanung und -entwicklung zunehmend auf konkreten Fähigkeiten basieren. Entscheidungen, ob eine Position extern besetzt oder intern durch Umschulung abgedeckt wird, werden strenger abgewogen.
„Wir rechnen mit stabiler, aber selektiver Nachfrage nach Arbeitskräften und einer fortgesetzten Verschiebung von der Produktion in den Dienstleistungssektor. Ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nicht zu erwarten, eher leichte Schwankungen auf ähnlichem Niveau“, prognostiziert Jánský.

Die Unterschiede zwischen Berufen dürften deutlicher werden: Während die Nachfrage in Dienstleistungen, Logistik, Gesundheits- und Sozialwesen, Energie und IT steigt, geraten Routine-Administrative Aufgaben unter Druck, da digitale Tools und Automatisierung Teile der Arbeit übernehmen.
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit
KI wird nicht als „Wunderlösung“ den Menschen ersetzen, sondern die Arbeitsinhalte nachhaltig verändern. Routinetätigkeiten werden abnehmen, gleichzeitig steigen Aufgaben im Umgang mit Daten, die Kontrolle von Arbeitsergebnissen und Rollen, die technisches Verständnis mit praktischer Erfahrung verbinden.
Rechtliche Änderungen und Transparenz
Zudem werden neue gesetzliche Vorgaben die Unternehmen in diesem Jahr beschäftigen: Vorbereitung auf Transparenzpflichten bei der Vergütung (bis 7. Juni 2026), Regeln für Plattformarbeit (bis 2. Dezember 2026) und schrittweise Auswirkungen des KI-Gesetzes.
„Das Jahr wird nicht nur davon geprägt sein, wie viele Menschen eingestellt werden. Personalverantwortliche werden stärker als bisher zeigen, wie fair und nachvollziehbar Mitarbeiter vergütet werden, wie KI in Prozessen eingesetzt wird und wie Regeln gesetzt werden, um Vertrauen sowie Bindung an das Unternehmen zu fördern“, fasst Jánský zusammen.
Randstad ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Personaldienstleistungen, spezialisiert auf flexible Arbeitsmodelle und Personalberatung. In Tschechien bietet das Unternehmen Dienstleistungen in den Bereichen Zeitarbeit, Prozessmanagement im Personalwesen sowie Personalvermittlung an.





