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Tschechische Wirtschaft wächst deutlich stärker als EU-Durchschnitt

BIP legt 2025 um 2,6 Prozent zu – Privater Konsum treibt Wachstum – Rechnungshof warnt vor strukturellen Risiken

Tschechische Wirtschaft wächst deutlich stärker als EU-Durchschnitt
Foto: Daniel Wiadro | Unsplash

Tschechiens Wirtschaft ist 2025 deutlich stärker gewachsen als im EU-Durchschnitt. Der Rechnungshof warnt jedoch, dass strukturelle Schwächen und steigende Staatsschulden die weitere Entwicklung bremsen könnten.


Die tschechische Wirtschaft ist 2025 deutlich stärker gewachsen als der Durchschnitt der Europäischen Union. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 2,6 Prozent zu, während die EU-Wirtschaft im Schnitt um 1,5 Prozent wuchs. Getragen wurde die Entwicklung vor allem vom höheren Konsum der privaten Haushalte.


Darauf weist der Oberste Rechnungshof NKÚ in seiner Stellungnahme zum staatlichen Rechnungsabschluss für 2025 hin. Trotz des vergleichsweise starken Wachstums sieht die Behörde weiterhin strukturelle Schwächen, die die künftige Wettbewerbsfähigkeit Tschechiens belasten könnten.


Nach Einschätzung des NKÚ beruhte das Wachstum vor allem auf dem stärkeren Konsum und einer höheren Zahl geleisteter Arbeitsstunden. Die Arbeitsproduktivität habe dagegen deutlich weniger zum Aufschwung beigetragen.


„Darauf lässt sich langfristig kein Wachstumsmodell aufbauen“, erklärte NKÚ-Präsident Miloslav Kala. Vor allem angesichts der alternden Bevölkerung müsse das künftige Wachstum stärker auf Innovationen, Automatisierung und modernen Technologien beruhen.


Hoher Energieverbrauch belastet Wettbewerbsfähigkeit


Als weiteres Problem nennt der Rechnungshof die hohe Energieintensität der tschechischen Wirtschaft. Sie liegt nach Angaben des NKÚ etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Europäischen Union. Im Vergleich zu Deutschland benötigt Tschechien zur Erzeugung einer Einheit des Bruttoinlandsprodukts fast zweieinhalbmal so viel Energie. Dies erschwert insbesondere für energieintensive Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit.


Hinzu kommt die demografische Entwicklung. 2025 wurden in Tschechien so wenige Kinder geboren wie seit 1785 nicht mehr. Gleichzeitig fehlen bereits heute in zahlreichen Branchen Arbeitskräfte.


Staatsschulden steigen weiter


Parallel zum Wirtschaftswachstum nahm auch die Verschuldung des Staates weiter zu. Ende 2025 erreichten die Staatsschulden 3,7 Billionen Kronen und lagen damit rund zwei Billionen Kronen höher als zehn Jahre zuvor. Für den Schuldendienst gab der Staat im vergangenen Jahr 98 Milliarden Kronen aus. Nach einer Prognose des Finanzministeriums könnten die Staatsschulden bis 2028 auf mehr als 4,4 Billionen Kronen steigen.


Tschechien bleibt bei Innovationen zurück


Nachholbedarf sieht der NKÚ auch bei Forschung und Innovation. Der Staat stellte 2025 mehr als 54 Milliarden Kronen für Wissenschaft, Forschung und Innovation bereit. Dennoch zählt Tschechien weiterhin nur zur Gruppe der moderaten Innovatoren.


Vom Ziel, bis 2030 zu den europäischen Innovationsführern aufzuschließen, sei das Land noch deutlich entfernt. Als positives Beispiel nennt der Rechnungshof Estland. Das deutlich kleinere Land hat bislang 15 Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar hervorgebracht, Tschechien lediglich vier.

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