Tomáš Baťa 150: Wie ein Visionär aus Mähren Zlín zur Modellstadt formte
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Baťa gilt als Inbegriff des „tschechischen American Dream“. Aus einfachen Verhältnissen stammend, schuf er ein global agierendes Unternehmen

Zum 150. Geburtstag von Tomáš Baťa blickt die Tschechische Republik auf das Erbe eines außergewöhnlichen Unternehmers. Vor allem in Zlín wird sichtbar, wie seine Ideen Wirtschaft, Architektur und Stadtplanung bis heute prägen.
Im Jahr 2026 erinnert Tschechien an einen der bedeutendsten Unternehmer ihrer Geschichte: Tomáš Baťa. Anlässlich seines 150. Geburtstags rückt nicht nur die Erfolgsgeschichte des weltbekannten Schuhkonzerns in den Fokus, sondern auch das außergewöhnliche städtebauliche Erbe, das bis heute vor allem in Zlín sichtbar ist.
Baťa gilt als Inbegriff des „tschechischen American Dream“. Aus einfachen Verhältnissen stammend, schuf er ein global agierendes Unternehmen – und gleichzeitig eine Stadt, die nach völlig neuen Prinzipien geplant wurde. Zlín entwickelte sich unter seiner Führung zu einem einzigartigen urbanen Experiment: Arbeit, Wohnen und Freizeit sollten hier im Einklang stehen.

Noch heute prägt diese Idee das Stadtbild. Vom Aussichtspunkt des ikonischen Baťa-Wolkenkratzers eröffnet sich ein umfassender Blick auf das ehemalige Fabrikgelände, das Stadtzentrum sowie die charakteristischen rotbraunen Arbeiterhäuser, die sich über die umliegenden Hügel verteilen. Diese Häuser, einst für die Beschäftigten des Unternehmens errichtet, galten zur Bauzeit als fortschrittlicher Wohnstandard – mit eigenem Garten und kurzer Distanz zum Arbeitsplatz.
Das Jubiläumsjahr ist Teil des UNESCO-Kalenders bedeutender Jahrestage und wird insbesondere in Zlín mit Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und thematischen Programmen begangen. Besucher erhalten dabei einen Einblick in die Entwicklung des Unternehmens, aber auch in Baťas Einfluss auf Architektur, Stadtplanung und moderne Arbeitsorganisation.

Ein zentraler Anlaufpunkt ist das Baťa-Institut in den Gebäuden 14 und 15, das unter anderem das Museum Südostmährens (Muzeum jihovýchodní Moravy ve Zlíně) beherbergt. Dort befindet sich die größte Schuhsammlung Mitteleuropas – von filigranen Modellen aus Japan bis hin zu überdimensionierten Sportschuhen internationaler Athleten. Gleichzeitig wird die Unternehmensphilosophie Baťas ebenso beleuchtet wie die Entwicklung von Produktion, Werbung und der Filmstudios in Zlín.

Oberhalb der Stadt befindet sich das funktionalistische Tomáš-Baťa-Denkmal. Die transparente Struktur erinnert an ein gläsernes Kristall und greift die architektonische Sprache der Industriegebäude auf. Im Inneren befindet sich unter anderem ein Modell des Flugzeugs, bei dessen Absturz Baťa 1932 ums Leben kam.

Neben Architektur und Industriegeschichte spielt auch die Freizeit eine Rolle in Baťas-Erbe. Der Baťa-Kanal, ursprünglich für den Transport von Kohle angelegt, hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Zwischen Mai und September laden Bootstouren, Radtouren entlang der über 80 Kilometer langen Strecke sowie Verbindungen zu den mährischen Weinstraßen zu aktiver Erholung ein.
Das Jubiläum „Tomáš Baťa 150“ bietet damit nicht nur Anlass zur Rückschau, sondern auch die Gelegenheit, ein einzigartiges Kapitel tschechischer Wirtschafts- und Stadtgeschichte neu zu entdecken. Zlín bleibt dabei das sichtbarste Vermächtnis eines Unternehmers, dessen Ideen weit über die Grenzen des Landes hinaus wirkten.





