Streit um Sudetendeutschen Tag in Brünn: Politische Spannungen in Tschechien nehmen zu
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Aktualisiert: vor 5 Tagen
Die Veranstaltung stößt insbesondere bei der tschechischen Regierungskoalition und dem Vorsitzenden des tschechischen Abgeordnetenhauses Tomio Okamura auf deutlichen Widerstand

Kurz vor dem geplanten Sudetendeutschen Tag in Brünn verschärft sich in Tschechien die politische Debatte. Vor allem die nationalkonservative SPD um den Vorsitzenden des tschechischen Abgeordnetenhauses Tomio Okamura geht scharf gegen die Veranstaltung vor – und sorgt damit auch in Bayern für Irritationen.
Der erstmals in Tschechien geplante Sudetendeutsche Tag sorgt bereits Wochen vor Beginn für heftige politische Spannungen. Die Veranstaltung, die vom 22. bis 25. Mai in Brünn stattfinden soll, stößt insbesondere bei der tschechischen Regierungskoalition und dem Vorsitzenden des tschechischen Abgeordnetenhauses Tomio Okamura auf deutlichen Widerstand.
Okamura, Vorsitzender der rechtsnationalen SPD, attackierte die Sudetendeutsche Landsmannschaft erneut scharf in sozialen Netzwerken. Dort schrieb er, die Organisation sei einst von überzeugten Nationalsozialisten gegründet worden, die sich direkt an Verbrechen gegen tschechische Patrioten beteiligt hätten.
Die Regierungskoalition unterstützt inzwischen eine Resolution gegen die Veranstaltung. Darin wird kritisiert, dass Teile der sudetendeutschen Organisationen weiterhin die Nachkriegsordnung infrage stellten und historische Verantwortung relativierten. Die Veranstalter werden aufgefordert, auf das Pfingsttreffen in Tschechien zu verzichten.
Noch im Februar hatte Premierminister Andrej Babiš erklärt, die Regierung befasse sich nicht mit der Veranstaltung, da es sich um eine Bürgerinitiative handle. Inzwischen äußerte sich der Regierungschef deutlich zurückhaltender. Laut tschechischen Medien sprach Babiš nun von „keiner glücklichen Angelegenheit“.
Das Treffen der Sudetendeutschen soll auf Einladung des Dialogfestivals „Meeting Brno“ stattfinden und gilt als symbolischer Schritt der Annäherung zwischen Bayern und Tschechien. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Sudetendeutscher Tag auf tschechischem Boden kaum denkbar gewesen.
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern waren über Jahrzehnte insbesondere durch die Beneš-Dekrete belastet. Diese bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für die Vertreibung und Enteignung der Deutschen aus dem Sudetenland. Erst in den vergangenen Jahren hatten sich die Beziehungen zwischen Prag und München deutlich entspannt.

Im tschechischen Parlament entwickelte sich die Debatte am Dienstag zu einer stundenlangen Auseinandersetzung. Die Sitzung wurde erst nach Mitternacht unterbrochen. Vertreter der Regierungsparteien argumentierten, das Treffen der Sudetendeutschen in Tschechien schade den deutsch-tschechischen Beziehungen.
Kritik an der Resolution kam dagegen aus der Opposition. Marek Benda, Vorsitzender der konservativen ODS-Fraktion, warnte davor, mehr als 80 Jahre nach Kriegsende erneut Hass zu schüren.
Auch aus Bayern kamen deutliche Reaktionen. Wie der Bayrische Nachrichtensender BR24 berichtet, sprach CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek von einem „falschen Signal“ und kritisierte, Teile der Debatte seien von Hass und Hetze geprägt gewesen. Das Treffen in Brünn sei vielmehr als Einladung zur Versöhnung zu verstehen. Unterstützung erhielt diese Sichtweise auch von den Freien Wählern.
Der Sprecher der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, wies die Vorwürfe aus Tschechien entschieden zurück. Trotz der politischen Spannungen soll die Veranstaltung in Brünn nach Angaben der Organisatoren stattfinden. Posselt erklärte gegenüber dem Nachrichtensender, man erhalte in Tschechien auch viel Unterstützung für das Treffen. Niemand habe erwartet, dass der Verständigungsprozess einfach verlaufen werde.
Zu einer Abstimmung über die geplante Resolution kam es im tschechischen Abgeordnetenhaus bislang nicht. Die Debatte soll voraussichtlich Mitte Mai fortgesetzt werden. Okamura kündigte bereits an, den Widerstand gegen den Sudetendeutschen Tag weiter voranzutreiben.








