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Sudetendeutscher Tag in Brünn sorgt weiter für politische Debatten in Tschechien

Die Regierungsparteien ANO, SPD und Motoristé unterstützen derzeit einen Resolutionsentwurf im Abgeordnetenhaus, der sich gegen die Durchführung des Kongresses ausspricht

Sudetendeutscher Kongress in Brünn sorgt weiter für politische Debatten in Tschechien
Foto: Generální konzulát České republiky v Mnichově

Die geplante Veranstaltung des Sudetendeutschen Landsmannschaftsverbands in Brünn sorgt in Tschechien weiter für kontroverse Diskussionen. Während Vertreter der Regierungsparteien den Kongress kritisch sehen und vor einer „Öffnung alter Wunden“ warnen, sprechen Oppositionspolitiker von einem wichtigen Signal der Versöhnung zwischen Tschechien und Deutschland.


Der Sudetendeutsche Kongress soll vom 22. bis 25. Mai in Brünn stattfinden. Organisiert wird die Veranstaltung von der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SdL), die die Interessen der nach dem Zweiten Weltkrieg aus der damaligen Tschechoslowakei vertriebenen Deutschen und ihrer Nachkommen vertritt.


Die Regierungsparteien ANO, SPD und Motoristé unterstützen derzeit einen Resolutionsentwurf im Abgeordnetenhaus, der sich gegen die Durchführung des Kongresses ausspricht. Die Parlamentsdebatte dazu wurde zunächst unterbrochen und soll bei einer außerordentlichen Sitzung fortgesetzt werden.


Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) erklärte in einer Diskussionsrunde auf ČT24, seine Partei werde die Resolution voraussichtlich unterstützen. Die Veranstaltung bezeichnete er als „unnötig“ und als „Öffnung alter Wunden“. Besonders kritisch sehe man die Tatsache, dass der Kongress in Brünn stattfinden solle.


Auch Motoristé-Chef und Außenminister Petr Macinka sprach sich gegen die Veranstaltung aus. Gleichzeitig appellierte er an mögliche Demonstranten, friedlich zu bleiben und Rücksicht auf die meist älteren Teilnehmer des Kongresses zu nehmen.


Eingeladen wurden die Sudetendeutschen von der Initiative Meeting Brno, einem Verein zur Förderung kultureller Aktivitäten. Die Organisation veranstaltet unter anderem den sogenannten „Versöhnungsmarsch“, der an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Brünn nach dem Krieg erinnert.


Scharfe Kritik an der geplanten Resolution kommt dagegen aus den Reihen der Opposition. ODS-Chef Martin Kupka warf den Regierungsparteien vor, das Thema bewusst zu emotionalisieren. „Brünn brennt nicht“, sagte Kupka mit Blick auf Warnungen vor möglichen Spannungen rund um die Veranstaltung.


Zugleich betonte er, dass niemand die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands relativiere. Dennoch müsse die Politik auf Versöhnung und Dialog setzen, statt alte Konflikte neu aufleben zu lassen.


Laut dem Nachrichtensender soll der Kongress unabhängig von der politischen Debatte wie geplant stattfinden.


Bereits letzte Woche kamen aus Bayern deutliche Reaktionen zu den Diskussionen in Tschechien. Wie der Bayrische Nachrichtensender BR24 berichtet, sprach CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek von einem „falschen Signal“ und kritisierte, Teile der Debatte seien von Hass und Hetze geprägt. Das Treffen in Brünn sei vielmehr als Einladung zur Versöhnung zu verstehen. Unterstützung erhielt diese Sichtweise auch von den Freien Wählern.


Die Beziehungen zwischen Tschechien und den Sudetendeutschen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dazu trug unter anderem bei, dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft ihre früheren Forderungen nach Rückgabe enteigneten Eigentums aus ihren Statuten strich.


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Historikern zufolge kamen während der Vertreibungen zwischen 15.000 und 30.000 Menschen ums Leben. Während der nationalsozialistischen Besatzung starben zuvor schätzungsweise 320.000 bis 350.000 Einwohner der ehemaligen Tschechoslowakei.

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