Regierungskoalition in Tschechien stellt sich gegen Sudetendeutschen Tag in Brünn
- Tschechien News

- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Kritik aus Tschechien und Deutschland an Debatte um Sudetendeutschen Treffen

Der geplante Kongress der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Brünn sorgt in Tschechien weiterhin für heftige politische Diskussionen. Während die Regierungskoalition die Organisatoren zur Absage auffordert, halten die Veranstalter an dem erstmals in Tschechien stattfindenden Treffen fest. Auch aus Deutschland kommt Kritik an der Debatte.
Das tschechische Abgeordnetenhaus hat sich am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungskoalition gegen den geplanten Kongress der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Brünn ausgesprochen und die Organisatoren zur Absage der Veranstaltung aufgefordert. Trotz der politischen Kritik soll der Kongress vom 22. bis 25. Mai erstmals in der Geschichte in Tschechien stattfinden.
In der verabschiedeten Resolution fordert das Parlament insbesondere die Organisatoren des Festivals Meeting Brno sowie die Führung der Sudetendeutschen Landsmannschaft dazu auf, „von der Durchführung der Veranstaltung auf dem Gebiet der Tschechischen Republik abzusehen“.
Die Resolution wurde mit den Stimmen der Parteien ANO, SPD und Motoristé angenommen. Nach Angaben aus dem Parlament stimmten 73 der 77 anwesenden Abgeordneten der Regierungskoalition dafür. Gegenstimmen gab es keine, vier Abgeordnete enthielten sich. Die Opposition nahm an der Sitzung nicht teil. Auf den leeren Sitzen hing stattdessen ein Transparent mit der Aufschrift: „Mit dem Schüren von Hass werden keine Schulden bezahlt.“

Die Organisatoren von Meeting Brno reagierten kritisch auf die Entscheidung des Parlaments. In einer Stellungnahme bezeichneten sie den Beschluss als „Ausdruck der Angst vor der eigenen Vergangenheit“. Ziel der Veranstaltung sei es weiterhin, die deutsch-tschechischen Beziehungen durch einen offenen Umgang mit der gemeinsamen Geschichte zu vertiefen.
Kritik auch aus Deutschland
Zusätzliche Diskussionen lösten laut tschechischen Medien Äußerungen der deutschen AfD-Politikerin Martina Kempf aus, die erklärte, Tschechien solle anerkennen, dass die Vertreibung der Sudetendeutschen und das damit verbundene Leid Unrecht gewesen seien. Befürchtungen tschechischer Politiker über mögliche Eigentumsforderungen der Sudetendeutschen seien aus ihrer Sicht unbegründet.
Scharfe Kritik an diesen Aussagen kam unter anderem vom tschechischen Außenminister und Vorsitzenden der Partei Motoristé sobě, Petr Macinka, und vom SPD-Vorsitzenden Tomio Okamura.

Bereits vor der Abstimmung im tschechischen Parlament kamen aus Bayern deutliche Reaktionen zu den Diskussionen in Tschechien. Wie der bayerische Nachrichtensender BR24 berichtet, sprach CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek von einem „falschen Signal“ und kritisierte, Teile der Debatte seien von Hass und Hetze geprägt. Das Treffen in Brünn sei vielmehr als Einladung zur Versöhnung zu verstehen. Unterstützung erhielt diese Sichtweise auch von den Freien Wählern.
Deutsch-tschechische Beziehungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert
Die Beziehungen zwischen Tschechien und den Sudetendeutschen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dazu trug unter anderem bei, dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft ihre früheren Forderungen nach Rückgabe enteigneten Eigentums aus ihren Statuten strich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Historikern zufolge kamen während der Vertreibungen zwischen 15.000 und 30.000 Menschen ums Leben. Während der nationalsozialistischen Besatzung starben zuvor schätzungsweise 320.000 bis 350.000 Einwohner der ehemaligen Tschechoslowakei. Sudetendeutsche Landsmannschaft Webseite | Facebook | Instagram Meeting Brno Webseite | Facebook | Instagram







