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Prags Architektur im Wandel: Ausstellung „DEVADE“ rückt die 1990er in den Fokus

Die Ausstellung im CAMP zeigt, wie die Wendejahre das Prager Stadtbild nachhaltig veränderten

Prags Architektur im Wandel: Ausstellung „DEVADE“ rückt die 1990er in den Fokus
Foto: IPR Praha

Zwischen Aufbruchseuphorie und architektonischer Selbstinszenierung: Eine neue Ausstellung im Prager CAMP nimmt die 1990er-Jahre in den Blick – eine Dekade, die das Stadtbild nachhaltig veränderte.


Die 1990er-Jahre gelten als Zeit des Aufbruchs – geprägt von Euphorie, neuen Freiheiten und einem demonstrativen Bruch mit alten Konventionen. Diese Stimmung spiegelte sich auch in der Architektur wider. Während Fachleute heute die Rückkehr zu klaren Proportionen, hochwertigen Materialien und einer bewussten architektonischen Haltung betonen, dominierten damals auffällige Formen, goldene Details und offen zur Schau gestellter Wohlstand. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Ausstellung DEVADE – Architektur Prags zwischen Strenge und Glamour, die bis 17. Mai 2026 im Centrum architektury a městského plánování (CAMP) zu sehen ist.


Die Schau widmet sich Bauten, die zwischen 1989 und 2004 in Prag entstanden sind, und zeichnet die tiefgreifenden Veränderungen dieser Jahre nach. Sie beleuchtet nicht nur architektonische Strömungen, sondern auch die veränderten Rahmenbedingungen: die Neuorganisation beruflicher Verbände, den Einfluss politischer Akteure, das Aufkommen erster Baumärkte und den wachsenden Einfluss privater Investoren.


Prags Architektur im Wandel: Ausstellung „DEVADE“ rückt die 1990er in den Fokus
Foto: IPR Praha

Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Architektur der 1960er- bis 1980er-Jahre neu bewertet wurde, rückt nun die Phase unmittelbar nach dem Ende des Kommunismus in den Fokus. Die 1990er-Jahre waren eine dynamische, teilweise widersprüchliche Dekade – architektonisch jedoch lange unterschätzt.


Architektonisch prägten zwei deutlich erkennbare Richtungen das Stadtbild: Auf der einen Seite eine „Strenge“, inspiriert von der Zwischenkriegsmoderne und dem Funktionalismus. Auf der anderen Seite eine spielerische, teils demonstrative Postmoderne westlicher Prägung – mit expressiven Formen und repräsentativer Geste. Mit der Öffnung des Landes strömten internationale Einflüsse, neue Technologien und ausländisches Kapital nach Prag. Zahlreiche heute etablierte Architekturbüros entstanden, internationale Investoren entdeckten den Standort, und renommierte Architekten wie Frank Gehry, Jean Nouvel oder Ricardo Bofill hinterließen gemeinsam mit tschechischen Kollegen sichtbare Spuren im Stadtbild.


Prags Architektur im Wandel: Ausstellung „DEVADE“ rückt die 1990er in den Fokus
Foto: IPR Praha

Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl prägender Bauten dieser Zeit und ordnet sie in ihren gesellschaftlichen Kontext ein. Ziel sei es nicht, die Epoche zu glorifizieren oder zu verurteilen, sondern sie differenziert zu verstehen. Die Architektur der 1990er-Jahre sei gedanklich vielfältiger und stilistisch breiter gewesen, als lange angenommen – und bilde einen Schlüssel zum Verständnis der postsozialistischen Transformation der tschechischen Hauptstadt.


Zu den gezeigten Beispielen zählen unter anderem der ikonische Tančící dům, das kontrovers diskutierte Hotel Don Giovanni Prague, das Hilton Prague, das Areal Výstaviště Praha mit seinen Pavillons sowie markante Infrastrukturbauten wie der oberirdische Tunnelabschnitt der Metrolinie B. Ergänzt wird die Auswahl durch Bankgebäude, Wohnkomplexe, Einkaufszentren und private Wohnprojekte, die das vielschichtige Bild jener Jahre vervollständigen.


Prags Architektur im Wandel: Ausstellung „DEVADE“ rückt die 1990er in den Fokus
Foto: IPR Praha

Neben Architekturmodellen und historischen Fotografien setzt die Ausstellung auch auf multimediale Elemente. Archivmaterial von Česká televize, Fotos sowie teils ironische Rückblicke auf die 1990er-Jahre vermitteln die Atmosphäre einer Epoche zwischen Aufbruch und Übertreibung.


Mit „DEVADE“ wird deutlich: Wer die gegenwärtigen Debatten um Stadtentwicklung verstehen will, kommt an den 1990er-Jahren nicht vorbei. Die damaligen Entscheidungen wirken bis heute nach – im Stadtbild ebenso wie in der Planung der Zukunft. CAMP Praha Webseite | Facebook | Instagram

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