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Neujahrsansprache: Präsident Pavel will neue Regierung an ihren Versprechen messen

Rückblickend zog Pavel eine insgesamt positive Bilanz des vergangenen Jahres

Neujahrsansprache: Präsident Pavel will neue Regierung an ihren Versprechen messen
Foto: Petr Pavel

Präsident Petr Pavel hat in seiner Neujahrsansprache zu mehr Zuversicht und Besonnenheit aufgerufen. Vertrauen in Staat und Gesellschaft könne nicht allein durch Politik entstehen, sondern müsse im Alltag der Menschen wachsen.


Der tschechische Präsident Petr Pavel hat in seiner Neujahrsansprache im tschechischen Fernsehen (ČT) betont, dass er die Arbeit der neuen Regierung aufmerksam begleiten werde. Entscheidend sei, dass die angekündigten Versprechen auch eingehalten würden. Zugleich rief das Staatsoberhaupt dazu auf, sich nicht von einfachem Populismus verführen zu lassen. Die Erneuerung des gesellschaftlichen Vertrauens müsse bei jedem Einzelnen beginnen – nicht allein in der Politik.


In seiner dritten Neujahrsansprache im Amt wünschte Pavel der neuen Koalition aus ANO, SPD und Motoristen Erfolg bei Maßnahmen im Interesse der Bürger. Er halte es für richtig, der Regierung zu Beginn Raum zu geben.


Besonders genau wolle er darauf achten, ob Regierung und Minister Entscheidungen treffen, die Demokratie und ihre Institutionen, die Sicherheit des Landes oder die Bindung an die freie Welt gefährden könnten.


Rückblickend zog Pavel eine insgesamt positive Bilanz des vergangenen Jahres. Tschechien habe sich zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas entwickelt, zähle weiterhin zu den sichersten Ländern der Welt und gehöre zu den großzügigsten Nationen, wenn es um Spendenbereitschaft und Wohltätigkeit gehe. Er verwies zudem auf international erfolgreiche Wissenschaftler, sportliche Erfolge sowie Beispiele von Mut und Engagement im zivilgesellschaftlichen Alltag.


Gleichzeitig äußerte der Präsident Bedauern über eine verbreitete Unzufriedenheit in der Gesellschaft. Viele Menschen ließen das Positive durch einen Hang zum Pessimismus überlagern. „Tschechien ist ein großartiges Land. Wir sollten mehr Vertrauen in uns selbst und zueinander haben“, betonte er. Die starke Betonung von Gegensätzen präge aus seiner Sicht zunehmend den Ton der öffentlichen Debatte.


Das notwendige Wiedererstarken des Vertrauens könne jedoch nicht von Politikern verordnet werden. „Es muss bei jedem von uns beginnen“, sagte Pavel. Wer sich auf die eigenen Fähigkeiten stütze, werde auch künftige Herausforderungen besser bewältigen. Entscheidend sei der Aufbau einer starken, authentischen Zivilgesellschaft.


Abschließend appellierte der Präsident an die Bürger, sich nicht von eingängigen Parolen leiten zu lassen, sondern Entwicklungen nüchtern und überlegt zu beurteilen. Im Kern wünschten sich alle dasselbe – Sicherheit und ein Leben in Würde.


Die Tradition der Neujahrsansprachen geht auf den ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk zurück. Während er anfangs vor allem Neujahrsinterviews gab, begann er später mit Weihnachtsansprachen. Diese Tradition führten unter anderem Edvard Beneš und auch Emil Hácha fort. Erst Klement Gottwald verlegte die Ansprache endgültig auf den Neujahrstag. Auch die Präsidenten der eigenständigen Tschechischen Republik, Václav Havel und Václav Klaus, hielten Neujahrsreden – unterbrochen lediglich von Miloš Zeman, der 2013 einen anderen Termin wählte.

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