Technisches Nationalmuseum Prag: Enigma und andere geheime Projekte
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Wie politische Zwänge Erfindungen im Verborgenen entstehen ließen

Die legendäre Enigma galt im Zweiten Weltkrieg als unknackbar. Die Ausstellung im Nationalen Technischen Museum zeigt ihre Geschichte und die Entwicklung der Kryptologie mit Auswirkungen auf den Alltag.
Das Technische Nationalmuseum Prag (NTM) hat die Ausstellung „Enigma und andere geheime Projekte“ eröffnet. Basis der Präsentation ist eine Wanderausstellung des Slowakischen Technischen Museums, die die Geschichte der Enigma-Maschine und die Entwicklung der Kryptologie näherbringt. Das NTM ergänzt diese um Geschichten geheimer Projekte, deren Verschwiegenheit durch politische Umstände notwendig wurde.
Enigma und die Kunst der Geheimhaltung
Die legendäre Enigma wurde in mehreren Varianten vor und während des Zweiten Weltkriegs vor allem von der deutschen Wehrmacht eingesetzt. Mit mehr als 100 Millionen möglichen Verschlüsselungskombinationen galt sie als praktisch unknackbar. Die Ausstellung erzählt nicht nur die Geschichte der Enigma, sondern zeigt auch die Entwicklung der Kryptologie im Laufe der Menschheitsgeschichte – inklusive ihrer überraschenden Auswirkungen auf den Alltag.

„Allein das Wort Enigma weckt Assoziationen von Geheimnis und Rätsel. Im Griechischen bedeutet es αίνιγμα – ‚Rätsel‘. Verschlüsselt werden jedoch nicht nur Codes. Noch heute halten Automobilhersteller ihre neuesten Modelle bis zur Präsentation unter Verschluss, und auch neue Smartphones werden mit Spannung erwartet. In unserer Ausstellung zeigen wir, wie politische Umstände zu Geheimhaltung führten“, erklärt Stanislav Dvořák, Kurator des NTM.
Geheime Entwicklungen im Zweiten Weltkrieg: Von Jawa-Motorrädern bis zur Curta-Rechenmaschine
Ende der 1930er-Jahre entstanden die ersten Prototypen neuer Jawa-Motorräder. Die Besatzung während des Krieges verhinderte jedoch die offizielle Entwicklung, weshalb die Arbeit geheim fortgesetzt wurde, um nach Kriegsende die Serienproduktion starten zu können.

Ähnlich erging es dem Unternehmer Jan Prošvic. Während des Krieges war er gezwungen, Radiobauteile zu fertigen. Daher gründete er die Firma Esa, um die Produktion von Haushaltsgeräten fortzuführen. Nach Kriegsende wurde die Fertigung ausgeweitet und später nach der Verstaatlichung in den Betrieb Elektro-Praga integriert.
Die wachsenden Anforderungen der Industrie führten zu Bedarf an Rechenhilfen. Mechanische Rechenmaschinen waren schwer und unhandlich. Curt Herzstark entwarf daher die kompakte Taschenrechenmaschine Curta, deren Konstruktion er während des Krieges im Konzentrationslager abschloss. Nach dem Krieg wurde die Curta weltweit ein Erfolg. Ergänzt wird die Ausstellung durch das barocke Organum Mathematicum und die Verschlüsselungsmaschine Hagelin-Cryptos, deren Varianten im Zweiten Weltkrieg von der US-Armee genutzt wurden.

Interaktiv können Besucher eine Enigma-Maschine ausprobieren, ebenso wie die Caesar- und Jefferson-Chiffre oder das Schreiben in Morsecode.
Die Ausstellung „Enigma und andere geheime Projekte“ ist bis zum 10. Mai 2026 geöffnet. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Slowakischen Technischen Museum, dem Technischen Museum Brünn und dem Militärhistorischen Institut Prag. Národní technické muzeum (Technisches Museum) Kostelní 42, 170 78 Praha 7 Webseite | Facebook | Instagram





