Mehr als 3.000 Kilometer historischer Wege rund um Prag verschwunden
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Eine neue Studie des Prager Instituts für Planung und Entwicklung untersucht, wie alte Wege wiederhergestellt und für Fußgänger, Radfahrer und den Naturschutz genutzt werden können

Alte Wege könnten Prag künftig wieder stärker mit seinem Umland verbinden. Eine neue Studie zeigt, wie ihre Wiederherstellung den Fuß- und Radverkehr fördern und zugleich Natur und Landschaft schützen kann.
In Prag und seinem Umland sind im Laufe der Zeit mehr als 3.000 Kilometer historischer Wege verschwunden. Das Prager Institut für Planung und Entwicklung (IPR Praha) hat nun untersucht, welche dieser Verbindungen wiederhergestellt werden könnten und welches Potenzial sie für den Ausbau der grünen Infrastruktur sowie eines autofreien Wegenetzes bieten.
Die Landschaft am Prager Stadtrand und Umland leidet zunehmend unter Zerschneidung, einem Mangel an Vegetation und dem schrittweisen Verlust ihrer historischen Identität. Alte Wege könnten nach Einschätzung der Experten dazu beitragen, diese Entwicklung zumindest teilweise umzukehren.
„Grundstücke in Prag und der Umgebung gehören zahlreichen Eigentümern. Das erschwert die Anlage neuer Wege oder Grünflächen“, erklärt Marek Zděradička, Leiter der Abteilung Infrastruktur beim IPR Praha. Ziel der Studie sei es deshalb gewesen, zunächst jene verschwundenen Wege zu erfassen, die weiterhin im Grundbuch verzeichnet sind und sich häufig noch im Besitz von Gemeinden befinden.
Dadurch könnten viele dieser Verbindungen vergleichsweise unkompliziert wiederhergestellt werden. Bereits im Juni stellte das Institut die Studie Bürgermeistern aus den umliegenden Gemeinden und Prager Stadtbezirken vor. Anhand bestehender Projekte sollten weitere Kommunen dazu angeregt werden, eigene Vorhaben zu entwickeln.

Vorteile für Menschen und Natur
Mehr als die Hälfte der verschwundenen Wege befindet sich nach Angaben des IPR weiterhin im Eigentum von Gemeinden. Weitere Abschnitte gehören dem Staat oder der Region. Damit bestehen bei einem großen Teil der historischen Verbindungen vergleichsweise günstige Voraussetzungen für eine Wiederherstellung.
Einige Gemeinden und Prager Stadtbezirke haben bereits damit begonnen, alte Wege erneut nutzbar zu machen. Die Studie soll auf das bislang weitgehend ungenutzte Potenzial solcher kostengünstigen Maßnahmen aufmerksam machen.
Die Wege könnten zugleich dabei helfen, auf die Folgen des Klimawandels, das zunehmende Verkehrsaufkommen und die fortschreitende Verstädterung zu reagieren. Baumreihen, Sträucher und Grünstreifen entlang der Wege fördern die Artenvielfalt, begrenzen die Bodenerosion und können Staub sowie Lärm reduzieren. Darüber hinaus bieten sie zahlreichen Tierarten einen Lebensraum.
Prag war schon immer ein Verkehrsknotenpunkt
Aufgrund seiner geografischen Lage war Prag über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender europäischer Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Rund um die Stadt entstand ein weitverzweigtes Netz aus Handels- und Pilgerwegen, die unter anderem zur Prager Burg führten oder an den Jakobsweg anschlossen.
Mehr als die Hälfte der ursprünglichen Handelsrouten deckt sich heute mit dem Verlauf moderner Autobahnen. Der Grund dafür ist, dass bereits die historischen Wege möglichst günstigen Streckenführungen durch das Gelände folgten.
Die verschwundenen Verbindungen könnten künftig vor allem für die Naherholung sowie den Fuß- und Radverkehr eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig könnten sie Menschen, die ohne Auto unterwegs sind, einen besseren Zugang zur Landschaft ermöglichen und die Verbindung zwischen Stadt und Natur stärken.









