Kernkraftwerk Temelín stellt auf Brennelemente von Westinghouse um
Der neue Westinghouse-Brennstoff stammt aus dem Werk im schwedischen Västerås

Die ersten Brennelemente des neuen Lieferanten sollen während der laufenden Abschaltung in den Reaktor eingesetzt werden. Gleichzeitig schließt das südböhmische Kernkraftwerk die Umstellung auf längere Betriebszyklen ab.
Im Kernkraftwerk Temelín laufen die letzten Vorbereitungen für den Einsatz von Brennstoff des Unternehmens Westinghouse. Die ersten Brennelemente haben die erforderlichen Kontrollen und das Genehmigungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Fachleute bereiten sie nun für den Einsatz im Reaktor während der aktuellen Abschaltung vor.
Der Betreiber ČEZ setzt damit seine Strategie fort, die Brennstoffversorgung auf mehrere Lieferanten zu verteilen. Die Ausschreibung für neue Lieferanten hatte der Energiekonzern bereits 2018 gestartet. Daraus gingen Verträge mit den Unternehmen Westinghouse und Framatome hervor. Die ersten Brennelemente trafen im vergangenen Jahr in Temelín ein.

Mehr Lieferanten sollen die Versorgungssicherheit stärken
Der neue Westinghouse-Brennstoff stammt aus dem Werk im schwedischen Västerås. Nach Temelín soll auch das Kernkraftwerk Dukovany umgestellt werden, sobald sämtliche Tests und das Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind.
ČEZ hält nach Angaben seines Vorstandsvorsitzenden Daniel Beneš strategische Brennstoffreserven für alle Reaktorblöcke vor. Zugleich habe der Konzern frühzeitig daran gearbeitet, die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten zu vermeiden.
Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Finanzministerin Alena Schillerová bezeichnete die Erweiterung des Lieferantenkreises als Beitrag zur Energiesicherheit Tschechiens. Sie verwies dabei auf die geplanten neuen Kernkraftwerksblöcke in Dukovany, den vorgesehenen ersten tschechischen modularen Reaktor in Temelín und die von der Regierung unterstützte Verlängerung der Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke auf bis zu 80 Jahre.
Die Genehmigung für den Einsatz des neuen Brennstofftyps erteilte das Staatliche Amt für nukleare Sicherheit im August dieses Jahres. Vorausgegangen waren mehr als acht Jahre umfangreicher Analysen und Prüfungen. Zwischen 2019 und 2022 wurden Westinghouse-Testbrennelemente auch direkt im Reaktor von Temelín erprobt.

Längere Zyklen zwischen den Abschaltungen
Der neue Brennstoff ist zugleich für längere Betriebszyklen ausgelegt. Seit 2022 stellt ČEZ die Blöcke seiner beiden tschechischen Kernkraftwerke schrittweise auf längere Zeiträume zwischen den planmäßigen Abschaltungen um.
In Dukovany gilt seit 2024 ein 16-monatiger Zyklus als Standard. Dabei laufen die Blöcke rund 15 Monate, anschließend folgt eine gut einmonatige Abschaltung für Brennstoffwechsel und Kontrollen.
Temelín soll die Umstellung auf einen 18-monatigen Zyklus noch in diesem Jahr abschließen. Dieser umfasst etwa 16 Monate Betrieb und anschließend rund zwei Monate Stillstand. Der zweite Block arbeitet bereits in diesem Rhythmus. Der erste Block soll Ende November folgen.
Nach Angaben von ČEZ sollen die längeren Zyklen die Stromproduktion erhöhen und durch stabilere Betriebsbedingungen die technischen Anlagen schonen. Weniger Abschaltungen bedeuteten eine geringere Beanspruchung der Ausrüstung, erklärte ČEZ-Vorstandsmitglied und Kernenergiespartenchef Bohdan Zronek.

Rund 40 Prozent des tschechischen Stromverbrauchs
Im vergangenen Jahr erzeugten die Kernkraftwerke von ČEZ erstmals mehr als 32 Terawattstunden Strom. Für 2026 plant der Konzern eine niedrigere Produktion, da in Temelín in diesem Jahr zwei Abschaltungen für Brennstoffwechsel und Kontrollen vorgesehen sind.
Temelín und Dukovany zählen zu den wichtigsten Quellen für Strom ohne direkte CO₂-Emissionen in Tschechien. Zusammen decken sie derzeit rund 40 Prozent des tschechischen Stromverbrauchs.










