IPR-Studie: Prager zufrieden mit Leben in der Hauptstadt – Sorgen bereiten aber vor allem hohe Wohnkosten
- Tschechien News

- 29. Apr.
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Positiv bewerten viele Einwohner weiterhin den öffentlichen Nahverkehr und Lebensqualität in der tschechischen Hauptstadt

Während viele Einwohner die Lebensqualität und den öffentlichen Nahverkehr positiv bewerten, sehen zahlreiche Menschen bezahlbaren Wohnraum zunehmend als Problem.
Die Menschen in Prag zeigen sich insgesamt weiterhin zufrieden mit ihrem Leben in der tschechischen Hauptstadt. Gleichzeitig nehmen jedoch Sorgen über hohe Wohnkosten, mangelnde Erschwinglichkeit von Wohnungen und ein schwächer werdendes Gemeinschaftsleben zu. Das geht aus der aktualisierten Studie „Lebensqualität aus Sicht der Prager 2017–2024“ hervor, die vom Prager Institut für Planung und Entwicklung (IPR Praha) veröffentlicht wurde.
„Uns interessiert, wie sich die Menschen in Prag fühlen. Die Untersuchung findet alle zwei Jahre auf Basis einer großen Stichprobe statt. Dadurch können wir Entwicklungen über einen längeren Zeitraum beobachten“, erklärte Ondřej Boháč, Direktor des IPR Praha. Die Ergebnisse dienten unter anderem als Grundlage für Stadtplanung, Prioritätensetzung und weitere Analysen zur Entwicklung der Hauptstadt.

Prager insgesamt zufrieden mit ihrem Leben in der Hauptstadt
Laut der Studie sind 71 Prozent der Prager mit ihrem Leben insgesamt zufrieden. Rund zehn Prozent gaben dagegen an, unzufrieden zu sein. Die Zufriedenheit mit dem Leben direkt in Prag liegt sogar bei 78 Prozent und blieb in den vergangenen Jahren weitgehend stabil. Gleichzeitig verweisen die Autoren der Studie darauf, dass die vergangenen Jahre durch die Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie steigende Energiepreise geprägt waren.
Besonders deutlich zeigen die Ergebnisse die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Zwar sind rund drei Viertel der Einwohner mit der Größe ihrer Wohnung zufrieden, doch nur 38 Prozent bewerten die monatlichen Wohnkosten positiv. Die Studie macht zudem eine große Lücke zwischen Wohnwünschen und tatsächlicher Finanzierbarkeit sichtbar. Nur knapp jeder fünfte Prager könnte sich die Miete seiner bevorzugten Wohnung leisten, den Kauf sogar lediglich sieben Prozent. Besonders gefragt bleibt das Wohnen im Einfamilienhaus.

Die Erwartungen an die Stadt seien deshalb gestiegen. „Die Ergebnisse zeigen klar, dass die Bewohner von der Stadt eine aktivere Rolle im Wohnungsbau erwarten“, sagte Petr Hlaváček, stellvertretender Prager Oberbürgermeister für Stadtentwicklung. Nach seinen Angaben werden derzeit durch die Prager Entwicklungsgesellschaft rund 8.000 Wohnungen vorbereitet, etwa 2.000 davon befinden sich bereits in der Projektphase.
Besonders gut schneidet weiterhin der öffentliche Nahverkehr ab
Positiv bewerten viele Einwohner weiterhin den öffentlichen Nahverkehr. Die Hälfte der Prager nutzt täglich Busse, Straßenbahnen oder die Metro, ein weiteres Viertel kombiniert den Nahverkehr mit Auto oder Fahrrad. Rund 90 Prozent der Befragten sehen ihre Wohnlage dank des gut ausgebauten Verkehrsnetzes als gut erreichbar an.
Deutlich kritischer fällt dagegen die Bewertung des Autoverkehrs aus. Nur etwa jeder fünfte Einwohner fährt täglich mit dem Auto oder Motorrad. Nach einem Anstieg während der Pandemie nimmt der Anteil des Individualverkehrs inzwischen wieder ab. Gründe für die geringe Zufriedenheit sind laut Studie vor allem Staus, Parkplatzmangel und der Zustand vieler Straßen.

Auch beim Thema Klimawandel zeigen sich Veränderungen. Der Anteil der Menschen, die den Klimawandel als reale Bedrohung ansehen, sank von 72 Prozent im Jahr 2017 auf aktuell 55 Prozent. Gleichzeitig halten 43 Prozent der Befragten die Maßnahmen der Stadt gegen Hitzewellen und hohe Temperaturen für unzureichend.
Sorge bereitet den Autoren der Studie zudem der Rückgang des Gemeinschaftslebens in der Hauptstadt. Immer weniger Menschen fühlen sich als Teil einer lokalen Gemeinschaft. Im Jahr 2024 bezeichnete sich nur noch etwa ein Drittel der Einwohner als Teil einer Nachbarschafts- oder Interessengemeinschaft. Häufig genannte Gründe sind fehlendes Interesse, Zeitmangel oder mangelnde Angebote im Wohnumfeld.
Prag im europäischen Vergleich
Im europäischen Vergleich schneidet Prag dennoch sehr gut ab. Für die Studie wurden die Ergebnisse mit Daten aus 82 europäischen Städten verglichen. Dabei zählt Prag zu den Städten mit der höchsten allgemeinen Lebenszufriedenheit und erreichte den ersten Platz bei der Bewertung der Arbeitsmöglichkeiten.








