Zahl der Todesfälle auf Tschechiens Schienen sinkt um 20 Prozent
Weniger Suizide tragen maßgeblich zum Rückgang bei – neue Präventionskampagne informiert über Hilfsangebote an Bahnhöfen und entlang der Bahnstrecken

Die Zahl der Todesfälle im tschechischen Schienenverkehr ist in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich zurückgegangen. Einen wesentlichen Anteil daran hat die rückläufige Zahl von Suiziden. Mit der Präventionskampagne „Nááádech, výýýdech“ sollen Menschen in psychischen Krisensituationen gezielt auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden.
Von Januar bis Ende September 2026 kamen auf Tschechiens Bahnstrecken insgesamt 129 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 161 Todesfälle. Das entspricht einem Rückgang um rund 20 Prozent. Nach Angaben des Verkehrsministeriums zeigen die bisherigen Statistiken damit den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre.
Den größten Anteil an den tödlichen Vorfällen machen weiterhin Suizide aus. Verkehrsminister Ivan Bednárik betont deshalb, wie wichtig Prävention und frühzeitige Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen sind. Ein Suizidversuch auf Bahngleisen könne auch schwere Verletzungen und dauerhafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Um solche Tragödien zu verhindern, werde die Zusammenarbeit mit Organisationen aus dem Bereich der psychischen Gesundheit weiter ausgebaut.
Neue Präventionskampagne gestartet
Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober wurde eine neue Phase der Kampagne „Nááádech, výýýdech“ gestartet. Sie soll auf Dutzenden Bahnhöfen sowie in sozialen Netzwerken auf bestehende Hilfsangebote aufmerksam machen und Menschen ermutigen, in schwierigen Situationen Unterstützung anzunehmen.
Die Herbstkampagne entstand in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für psychische Gesundheit (Národní ústav duševního zdraví), der Organisation Cesta z krize und dem Verein Nepanikař.

Neben der tschechischen Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer 116 123 wird auch die App „Nepanikař“ vorgestellt. Die in Tschechien entwickelte und mehrfach ausgezeichnete Anwendung richtet sich insbesondere an junge Menschen und bietet unter anderem Unterstützung beim Umgang mit Panikattacken und anderen psychischen Belastungen.
Bereits im Frühjahr wurden im Rahmen der Kampagne erste Hinweisschilder an besonders gefährdeten Stellen entlang der Bahnstrecken angebracht. Nun sollen an Dutzenden weiteren Standorten in ganz Tschechien zusätzliche Schilder mit der Nummer der psychologischen Krisenhilfe installiert werden.
Bahnverwaltung setzt auf Aufklärung und konkrete Hilfe
Auch die tschechische Bahnverwaltung Správa železnic beteiligt sich an den Präventionsmaßnahmen. Generaldirektor Tomáš Tóth sieht in den aktuellen Zahlen ein positives Signal, warnt jedoch davor, die Bemühungen zu reduzieren. Ziel sei es, Menschen daran zu erinnern, dass professionelle Hilfe verfügbar ist und es in schwierigen Lebenssituationen richtig ist, Unterstützung zu suchen. Dafür sollen Fachorganisationen, Informationsangebote an Bahnhöfen und Hilfsmaßnahmen direkt vor Ort stärker miteinander verknüpft werden.
Nach Einschätzung von Magdalena Lukasová vom Nationalen Institut für psychische Gesundheit gibt es keine einheitliche Form der Unterstützung, die für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet ist. Besonders für junge Menschen seien deshalb leicht zugängliche Angebote wichtig.
Jährlich rund 200 Todesfälle auf Tschechiens Bahnstrecken
In Tschechien sterben jährlich etwa 200 Menschen im Zusammenhang mit dem Schienenverkehr. Mehr als drei Viertel dieser Todesfälle sind auf Suizide zurückzuführen. Neben den menschlichen Tragödien haben solche Vorfälle auch erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Im Durchschnitt muss der Zugverkehr nach einem tödlichen Vorfall für etwa eineinhalb Stunden unterbrochen werden.
Mit der Ausweitung der Präventionskampagne und zusätzlichen Hinweisen auf verfügbare Hilfsangebote wollen die Verantwortlichen langfristig auf einen weiteren Rückgang der Todesfälle hinwirken.










