Tschechien fehlen mehr als 90.000 Arbeitskräfte – Regierung plant, Quoten für Beschäftigte aus den Philippinen zu erhöhen
Vor allem in der Industrie, im Baugewerbe und in der Logistik fehlen Mitarbeiter

Tschechien will die Zuwanderung von Arbeitskräften erleichtern, um den Personalmangel zu bekämpfen. Im Fokus stehen vor allem Arbeitskräfte aus den Philippinen.
Der Arbeitskräftemangel bleibt eine der großen Herausforderungen für die tschechische Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen suchen deshalb gezielt nach Mitarbeitern im Ausland. Besonders Arbeitskräfte aus den Philippinen sind gefragt. Die bestehenden Aufnahmequoten reichen nach Einschätzung von Personalvermittlern und Unternehmen jedoch nicht mehr aus.
Auf dem tschechischen Arbeitsmarkt fehlen derzeit mehr als 90.000 Beschäftigte. Besonders betroffen sind die industrielle Produktion, das Baugewerbe, die Logistik und der Verkehrssektor. Aber auch Krankenhäuser, Hotels und andere Dienstleistungsbetriebe sind zunehmend auf Personal aus dem Ausland angewiesen. Wie der tschechische Nachrichtensender ČT24 berichtet, will die Regierung deshalb die Möglichkeiten zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte ausweiten.
Philippinische Arbeitskräfte zunehmend gefragt
Die Suche nach geeigneten Arbeitskräften im Ausland gestaltet sich für tschechische Unternehmen aber oft als schwierig und langwierig. Ein Beispiel sind Arbeitskräfte aus den Philippinen. Eine Anwerbung kann rund neun Monate dauern. Trotz des großen Interesses und zahlreicher Bewerbungen erschweren lange Auswahl- und Verwaltungsverfahren eine schnelle Besetzung offener Stellen.
Für viele Filipinos ist Tschechien trotz vergleichsweise niedriger Löhne attraktiv, da ihr Einkommen hier häufig etwa dreimal so hoch ist wie in ihrer Heimat. Jährlich verlassen rund 2,5 Millionen Menschen die Philippinen, um im Ausland zu arbeiten. Die meisten zieht es nach Asien oder in die Golfstaaten. Tschechien punktet vor allem mit politischer Stabilität und seiner Lage in Mitteleuropa.
Regierung plant höhere Aufnahmequoten
Derzeit dürfen jährlich bis zu 10.300 Arbeitskräfte aus den Philippinen im Rahmen der entsprechenden Kontingente nach Tschechien kommen. Die Obergrenze wurde zuletzt vor zwei Jahren angehoben. Nach Einschätzung vieler Unternehmen reicht diese Kapazität inzwischen nicht mehr aus.
Wie der Nachrichtensender berichtet, plant die tschechische Regierung nach Angaben von Industrieminister Karel Havlíček (ANO), die Quoten für die Anwerbung von Arbeitskräften aus den Philippinen zu erhöhen. Gemeinsam mit Arbeitsminister Aleš Juchelka (ANO) plant er Anfang kommenden Jahres eine Reise auf die Philippinen. Auch für Beschäftigte aus Indien sollen die Aufnahmemöglichkeiten erweitert werden.
Fast 900.000 ausländische Beschäftigte in Tschechien
Derzeit arbeiten rund 900.000 Menschen aus dem Ausland in Tschechien. Ihre Zahl steigt seit Jahren. Während ukrainische Beschäftigte vor allem im Baugewerbe, in der Industrie und Logistik tätig sind, arbeiten Slowaken häufig im Gesundheitswesen und im Dienstleistungssektor. Beschäftigte aus der Mongolei sind insbesondere in der Lebensmittelindustrie vertreten.
Für viele tschechische Unternehmen bleibt die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte aber trotz aller Hürden ein wichtiger Bestandteil ihrer Personalplanung, um offene Stellen zu besetzen und den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten.










