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Studie warnt vor Brain Drain: Tschechien verliert wissenschaftliche Talente an das Ausland

Niedrige Gehälter sind laut einer neuen Analyse nur einer von mehreren Gründen für die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte ins Ausland

Studie warnt vor Brain Drain: Tschechien verliert wissenschaftliche Talente an das Ausland
Foto: Julia Koblitz | Unsplash

Immer mehr tschechische Wissenschaftler bauen ihre Karriere dauerhaft im Ausland auf. Eine neue Studie zeigt, dass nur ein kleiner Teil eine Rückkehr nach Tschechien plant. Als Gründe nennen viele Befragte unter anderem mangelnde Transparenz und problematische Strukturen an Universitäten.


Tschechien verliert weiterhin einen großen Teil seiner wissenschaftlichen Talente an das Ausland. Laut einer Studie der Organisation Czexpats in Science plant nur rund jeder zehnte tschechische Wissenschaftler im Ausland, in die Heimat zurückzukehren. Als zentrale Probleme nennen viele Befragte nicht nur niedrige Gehälter, sondern auch mangelnde Transparenz, Vetternwirtschaft und ein aus ihrer Sicht veraltetes Hochschulsystem.


Nach Angaben der Organisation arbeiten mehrere Tausend tschechische Wissenschaftler an Forschungseinrichtungen im Ausland. Eine begleitende Umfrage zeigt, dass lediglich zehn Prozent „definitiv“ eine Rückkehr nach Tschechien planen. Etwa ein Drittel schließt eine Rückkehr eher aus, während mehr als die Hälfte noch unentschlossen ist.


„Die Rückkehr von nur rund zehn Prozent der Wissenschaftler ist eine große Niederlage für die tschechische Wissenschaft und Wirtschaft“, erklärte Matouš Glanc, Direktor von Czexpats in Science. Ziel müsse es sein, zumindest einen deutlich größeren Teil der im Ausland tätigen Fachkräfte zurückzugewinnen.


Besonders kritisch sehen viele Befragte die Arbeitsbedingungen an tschechischen Universitäten. Neben den Gehältern wurden vor allem intransparente Auswahlverfahren, akademisches „Inbreeding“ – also die bevorzugte Besetzung von Stellen mit eigenen Absolventen – sowie fehlende Offenheit gegenüber Bewerbern aus dem Ausland genannt.


Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bezeichnete diese Faktoren als wesentliche Hürde für eine Rückkehr. Mehrere Wissenschaftler beschrieben ein Umfeld, in dem offene Stellen häufig informell vergeben würden und nicht über transparente Ausschreibungen bekannt gemacht würden.


Auch Frauen berichteten laut Studie von negativen Erfahrungen, darunter Sexismus und mangelnde Unterstützung durch Institutionen. Einige Forscher gaben an, ihre Positionen nach Hinweisen auf unethische Praktiken verlassen zu haben.


Trotz der Kritik besteht weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit mit tschechischen Einrichtungen. Mehr als 80 Prozent der Befragten erklärten, sie würden gerne intensiver mit der tschechischen Wissenschaft kooperieren.


Als mögliches Vorbild nennen die Autoren der Studie das finnische Hochschulmodell. Dort wurden die Kompetenzen der Universitätsleitungen gestärkt und strategische Entscheidungen stärker auf Verwaltungsräte mit externen Mitgliedern übertragen. Gleichzeitig behielten akademische Gremien eine Kontrollfunktion.


In Tschechien könnte es in den kommenden Jahren zu Veränderungen kommen. Bildungsminister Robert Plaga will noch in diesem Jahr einen neuen Gesetzesentwurf für den Hochschulbereich vorlegen. An den Vorbereitungen beteiligen sich neben dem Institut pro rozvoj vysokého školství auch Czexpats in Science.


Die Autoren der Studie sehen darin eine entscheidende Chance für die Zukunft des Landes. Ohne grundlegende Reformen drohe Tschechien weiterhin, hochqualifizierte Talente an das Ausland zu verlieren, statt selbst zu einem internationalen Wissenschafts- und Innovationsstandort zu werden.

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