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STEM-Umfrage: Krieg in der Ukraine verändert Blick der Tschechen auf Russen und Ukrainer

Vietnamesische Gemeinschaft in Tschechien gewinnt deutlich an Akzeptanz

STEM-Umfrage: Krieg in der Ukraine verändert Blick der Tschechen auf Russen und Ukrainer
Foto: Timon Studler | Unsplash

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Tschechien hält Ausländer im Land für ein Sicherheitsrisiko. Gleichzeitig glaubt eine Mehrheit, dass viele Tschechen Ausländern mit Vorurteilen begegnen. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts STEM hervor.


Laut der im Januar 2026 durchgeführten Erhebung sehen 56 Prozent der Befragten in Ausländern, die in Tschechien leben, ein Sicherheitsrisiko. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren jedoch nicht weiter gestiegen. Zugleich sind 57 Prozent der Ansicht, dass die tschechische Gesellschaft Ausländern häufig mit Vorurteilen und Voreingenommenheit begegnet.


Die Ergebnisse zeigen damit einen gewissen Widerspruch in den Einstellungen der Bevölkerung. Einerseits erkennen viele Befragte bestehende Vorurteile gegenüber Ausländern, andererseits sprechen sich nur 38 Prozent dafür aus, dass jede in der Tschechischen Republik lebende Person unabhängig von Herkunft oder Ethnie das Recht auf die Staatsbürgerschaft erhalten sollte. 41 Prozent finden zudem, dass ethnische Gruppen oder Minderheiten ihre eigenen Traditionen und Bräuche frei leben können sollten.


Positive Haltung gegenüber Nachbarn aus westlichen Ländern


Die Untersuchung der Forschungsreihe „Trendy“ zeigt, dass Tschechen besonders offen gegenüber Nachbarn aus kulturell oder geografisch nahestehenden Ländern sind. Am positivsten wird seit Jahren das Verhältnis zu Slowaken bewertet: 92 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, neben einem Slowaken zu leben.


Auch Menschen aus wirtschaftlich entwickelten westlichen Staaten werden überwiegend akzeptiert. Dazu zählen insbesondere Briten, Amerikaner, Franzosen oder Deutsche. Relativ positiv wird auch Kroaten begegnet, die von 74 Prozent der Befragten als mögliche Nachbarn akzeptiert würden.


Am unteren Ende der Skala stehen dagegen Nationalitäten aus kulturell und geografisch weiter entfernten Regionen. Weniger als ein Viertel der Tschechen kann sich vorstellen, neben einem Araber, Afghanen, Syrer oder Sudanesen zu wohnen.


Ukrainekrieg verändert Wahrnehmung einzelner Nationalitäten


Auch internationale Ereignisse beeinflussen die Einstellungen der Bevölkerung. Der Krieg in der Ukraine hat die Wahrnehmung von Ukrainern und Russen deutlich verändert.


Während vor Beginn des Krieges Russen in der Regel positiver wahrgenommen wurden als Ukrainer, hat sich dieses Bild inzwischen umgekehrt. Im Januar 2026 konnten sich laut STEM nur noch 32 Prozent der Befragten einen Russen als Nachbarn vorstellen – drei Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor und deutlich weniger als noch 2016, als dieser Wert bei 50 Prozent lag.


Bei Ukrainern zeigt sich dagegen eine entgegengesetzte Entwicklung. Um die Jahrtausendwende hätte nur etwa jeder zehnte Tscheche einen ukrainischen Nachbarn akzeptiert. Anfang 2026 lag dieser Anteil bereits bei 46 Prozent und damit deutlich über dem Wert für Russen.


Vietnamesische Gemeinschaft gewinnt deutlich an Akzeptanz


Besonders stark verändert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Haltung gegenüber Vietnamesen. In den 1990er Jahren hätte nur knapp jeder zehnte Tscheche einen vietnamesischen Nachbarn akzeptiert. Nach rund drei Jahrzehnten Zusammenleben liegt dieser Wert inzwischen bei 73 Prozent.


Deutlich kritischer bleibt dagegen die Haltung gegenüber der Roma-Minderheit. Laut der aktuellen STEM-Erhebung würden lediglich 24 Prozent der Befragten einen Roma als Nachbarn akzeptieren – ein Wert, der in etwa auf dem Niveau der Einstellungen gegenüber Menschen aus arabischen Ländern liegt.

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