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Rang 8 für Tschechien im neuen Wohlstandsindex: Stärkste postkommunistische Volkswirtschaft der EU

Doch es gibt eine zentrale Schwachstelle: die inländische Wertschöpfung im Export

Rang 8 für Tschechien im neuen Wohlstandsindex: Stärkste postkommunistische Volkswirtschaft der EU
Foto: Freepik

Ein Spitzenplatz im EU-Vergleich unterstreicht die wirtschaftliche Stärke Tschechiens. Doch der direkte Vergleich mit Polen zeigt: Hinter soliden Kennzahlen verbergen sich strukturelle Herausforderungen, insbesondere bei der Wertschöpfung im Export.


Tschechien gilt laut dem aktuellen Index für Wohlstand und finanzielle Gesundheit (Index prosperity a finančního zdraví) als die erfolgreichste postkommunistische Volkswirtschaft in der EU. Im fünften Jahr der Erhebung erreichte das Land im Bereich „Zustand der Wirtschaft“ Rang acht – das bislang beste Ergebnis in dieser Kategorie.


Ein Blick auf die Gesamtwertung zeigt ein konstantes Bild an der Spitze: Schweden, Deutschland und Dänemark belegen seit Jahren die vorderen Plätze. Tschechien startete 2022 mit Rang neun, fiel in den beiden Folgejahren jedoch auf die Plätze zwölf und 14 zurück. Hauptgrund war die hohe Inflation infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine.


Unter den postkommunistischen EU-Staaten behauptet Tschechien dennoch langfristig seine Spitzenposition. Nach einem zweiten Platz hinter Slowenien in den Jahren 2024 und 2025 steht das Land nun wieder ganz oben.


Robotisierung als Trumpf


Im direkten Vergleich mit Polen zeigt sich ein differenziertes Bild. Während polnische Medienberichte häufig ein Bild vom rasanten wirtschaftlichen Aufstieg zeichnen – etwa durch den schnellen Ausbau der Infrastruktur – sprechen die Index-Daten eine andere Sprache.


Tschechien liegt deutlich vorn bei der Robotisierung: 216 Industrieroboter kommen auf 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe, in Polen sind es 81. Auch bei der Investitionsquote (26,5 Prozent des BIP gegenüber 17 Prozent) sowie beim Pro-Kopf-BIP (91 Prozent des EU-Durchschnitts gegenüber 78 Prozent) hat Tschechien die Nase vorn. Zudem zählt es zu den komplexesten Volkswirtschaften der EU – also zu jenen Ländern, die eine besonders breite Palette anspruchsvoller Produkte herstellen können. Diese Diversifizierung macht das Land widerstandsfähiger gegenüber externen Einflüssen.


Schwäche bei der Wertschöpfung


Doch es gibt eine zentrale Schwachstelle: die inländische Wertschöpfung im Export. Hier liegt Polen mit einem Anteil von 66,7 Prozent europaweit auf Rang elf, während Tschechien mit 58,2 Prozent nur im hinteren Drittel rangiert. Konkret bedeutet das: Bei importierten Vorleistungen bleibt in Polen ein größerer Teil der finalen Wertschöpfung im Land.


Ökonomen sehen die Ursache in der Struktur des Geschäftsmodells. Tschechien sei stark in der Komponentenfertigung und im Hightech-Export, doch Markenrechte, Endmargen und geistiges Eigentum lägen häufig im Ausland. Polen profitiere hingegen von einem größeren Binnenmarkt und einem stärkeren Kapitalmarkt, was die Entwicklung eigener Marken und Endprodukte begünstige.


Investitionen mit Fragezeichen


Zwar investiert Tschechien im EU-Vergleich überdurchschnittlich viel – sowohl privat als auch öffentlich. Doch die Mittel fließen vor allem in Maschinen und Anlagen. Der Anteil immaterieller Investitionen wie Patente, Software oder Markenrechte bleibt mit 19 Prozent deutlich hinter Ländern wie Dänemark (30 Prozent) oder Schweden (29 Prozent) zurück.


Auch bei den ausländischen Direktinvestitionen zeigt sich ein Wandel. Der Bestand in Relation zum BIP ist in den vergangenen Jahren gesunken. Steigende Löhne, geringe Arbeitslosigkeit und hohe Energiepreise machen das Land weniger attraktiv für einfache Produktionsmodelle. Das wird von Ökonomen zwar als Zeichen wirtschaftlicher Reife gewertet – zugleich verschärft es aber den Druck, stärker auf Innovation und eigene Wertschöpfung zu setzen.


Erfolgsmodell mit offenem Ausgang


Trotz der strukturellen Defizite bleibt das Gesamtbild positiv. Tschechien verfügt über eine robuste, breit aufgestellte Wirtschaft und behauptet seine Führungsrolle unter den postkommunistischen EU-Staaten.


Ob es diese Position langfristig halten kann, hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, das Investitionsverhalten zu verändern – weg von der verlängerten Werkbank, hin zu mehr eigener Entwicklung, Kapitalbildung und international sichtbaren Marken. Der aktuelle Erfolg ist unbestritten. Die Frage ist, wie nachhaltig er ist.

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