Prag bleibt sozial durchmischt – neue IPR Analyse zeigt aber erste Verschiebungen
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Die tschechische Hauptstadt ist nach wie vor eine Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Berufe und Einkommen im Alltag selbstverständlich aufeinandertreffen

Prag zeigt sich weiterhin als sozial durchmischte Metropole mit vergleichsweise geringer räumlicher Trennung. Eine neue Analyse zeigt jedoch, dass sich in bestimmten Lagen allmählich Unterschiede verstärken.
Prag weist im langfristigen Vergleich weiterhin eine niedrige räumliche Trennung sozialer Gruppen auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Instituts für Planung und Entwicklung der Hauptstadt Prag (IPR Praha). Demnach sind die Einwohner nach wie vor relativ gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt, verschiedene Bevölkerungsgruppen leben vielfach Tür an Tür.
Gleichzeitig macht die Studie jedoch auf einen schleichenden Wandel aufmerksam: In einigen Stadtteilen nehmen die Unterschiede zwischen einkommensschwachen und wohlhabenderen Haushalten allmählich zu. Diese Entwicklung müsse künftig genauer beobachtet werden.
Vermeidung abgeschlossener Wohnstrukturen als Ziel
„Prag ist nach wie vor eine Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Berufe und Einkommen im Alltag selbstverständlich aufeinandertreffen. Das ist für das Funktionieren der Stadt von zentraler Bedeutung“, erklärt Ondřej Boháč, Direktor des IPR Praha. Große, isolierte Wohninseln einzelner sozialer Gruppen seien bislang nicht entstanden, allerdings seien erste Differenzierungstendenzen erkennbar.
Unterschiedliche Wohnlagen innerhalb der Stadt
Die Analyse zeigt zudem klare Muster in der räumlichen Verteilung: Haushalte mit geringerem Einkommen leben häufiger in bestimmten Großwohnsiedlungen, in Teilen der inneren Stadt sowie in Randlagen nahe Industriegebieten – etwa in Černý Most, Horní Počernice oder in Bereichen von Libeň und Vysočany.
Die obere Mittelschicht konzentriert sich dagegen in traditionell gefragten Vierteln wie Dejvice, Letná oder Vinohrady, die sich durch gute Infrastruktur und hohe Lebensqualität auszeichnen. Wohlhabendere Haushalte ziehen verstärkt in neuere Wohnentwicklungen, beispielsweise in Jinonice, Hrdlořezy oder Holešovice.
Gerade in solchen neu entstandenen Quartieren besteht laut Analyse die Gefahr sogenannter „gated communities“ – also abgeschlossener Wohnanlagen, die oft nur für Bewohner zugänglich sind.
„Abgeschlossene, nicht durchlässige Wohnareale sind ein Erbe der 1990er-Jahre, als neue Stadtviertel oft ohne ausreichende Koordination entstanden“, sagt Petr Hlaváček, stellvertretender Prager Bürgermeister für Stadtentwicklung. Heute werde dem öffentlichen Interesse stärker Rechnung getragen – unter anderem durch Planungsverträge zwischen Stadt, Bezirken und Investoren. Auch der künftige Metropolplan soll die Durchlässigkeit urbaner Räume sichern.
Ähnliche Entwicklung im Umland
Auch im erweiterten Ballungsraum Prag bleibt die Segregation insgesamt gering. Allerdings zeigt sich hier eine stärkere räumliche Trennung wohlhabender Haushalte. Diese konzentrieren sich vor allem in Gemeinden im direkten Umland, die stark von suburbaner Wohnentwicklung geprägt sind – etwa Černošice, Dolní Břežany, Jesenice oder Zdiby.
Sozial schwächere Gruppen finden sich dagegen häufiger in weiter entfernten kleineren Gemeinden mit spezifischen lokalen Strukturen, etwa durch große Industrie- oder Agrarbetriebe mit Arbeiterunterkünften. Auch in größeren Städten wie Kladno, Neratovice, Beroun oder Benešov sind entsprechende Konzentrationen zu beobachten.








