Immer mehr Jugendliche in Prag wegen Cannabinoiden in ärztlicher Behandlung
Rettungsdienst verzeichnet deutlichen Anstieg bei Einsätzen – teilweise müssen Jugendliche auf Intensivstationen behandelt werden

Die Zahl der Rettungsdiensteinsätze im Zusammenhang mit Cannabis und anderen Cannabinoiden steigt in Prag deutlich an. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen.
Nach Angaben des Prager Rettungsdienstes wurden zwischen Januar und September 2026 insgesamt 474 Einsätze registriert, bei denen der Verdacht auf eine Vergiftung durch Cannabinoide bei Personen unter 20 Jahren bestand. Das sind nahezu doppelt so viele Fälle wie im gesamten Vorjahr, wie der tschechische Nachrichtensender ČT24 berichtet.
Besonders auffällig ist das zunehmend junge Alter der Betroffenen. Rund die Hälfte der Patienten war noch keine 18 Jahre alt. Während der jüngste Patient im Jahr 2023 noch 14 Jahre alt war, mussten die Rettungskräfte sowohl 2024 als auch 2025 bereits elfjährige Kinder behandeln.
Zahl der Rettungseinsätze steigt seit Jahren
Die Entwicklung zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend. Im Jahr 2023 registrierte der Prager Rettungsdienst 109 Einsätze bei unter 20-Jährigen im Zusammenhang mit Cannabinoiden. Ein Jahr später waren es bereits 167, im Jahr 2025 insgesamt 253. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg die Zahl auf 474.
Auch über alle Altersgruppen hinweg nehmen die Fälle zu. Während 2023 rund 500 entsprechende Einsätze dokumentiert wurden, waren es 2024 etwa 820 und im vergangenen Jahr bereits mehr als 1.000. Von Januar bis September 2026 registrierten die Prager Rettungskräfte rund 1.600 Fälle.
Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen laut dem Nachrichtensender um Verdachtsfälle. Der Rettungsdienst dokumentiert Einsätze auf Grundlage der Informationen am Einsatzort, etwa durch Aussagen der Patienten, Angehörigen oder medizinische Beobachtungen. Eine eindeutige Bestätigung des Substanzkonsums ist häufig erst durch Laboruntersuchungen im Krankenhaus möglich.

Von Panikattacken bis zur Bewusstlosigkeit
Cannabinoide sind chemische Substanzen, die auf bestimmte Rezeptoren im menschlichen Körper wirken. Sie kommen natürlich in der Cannabispflanze vor, können aber auch synthetisch oder halbsynthetisch hergestellt werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen können erheblich sein. Wie stark ein Mensch auf Cannabinoide reagiert, hängt unter anderem vom Alter, der körperlichen Verfassung, der konsumierten Substanz und möglichen Vorerfahrungen ab. Besonders riskant ist die Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen.
Zu den häufig beobachteten Beschwerden gehören Angstzustände, Panikattacken und eine beschleunigte Atmung. Diese sogenannte Hyperventilation kann Kribbeln im Gesicht und in den Gliedmaßen sowie Muskelkrämpfe auslösen.
In schwereren Fällen kommt es zu starkem Erbrechen oder Bewusstlosigkeit. Besonders gefährlich ist dabei das Risiko, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt. Nach Angaben des Prager Rettungsdienstes müssen manche Patienten deshalb auf einer Intensivstation behandelt werden.
Unterschiedliche gesetzliche Regelungen in Tschechien
Die rechtliche Situation unterscheidet sich je nach Wirkstoff. Seit Januar 2026 dürfen Erwachsene ab 21 Jahren in Tschechien begrenzte Mengen Cannabis für den Eigenbedarf besitzen und selbst anbauen. Ein regulärer kommerzieller Verkauf von THC-haltigem Cannabis zu Freizeitzwecken ist hingegen weiterhin nicht erlaubt.
Bestimmte CBD-Produkte dürfen legal verkauft werden, wobei für Raucherzeugnisse eine Altersgrenze von 18 Jahren gilt. Psychoaktive Cannabinoide wie HHC und THCP unterliegen dagegen strengeren gesetzlichen Beschränkungen.
Eine besondere Herausforderung stellen neu entwickelte synthetische und halbsynthetische Substanzen dar, deren rechtliche Einstufung nicht immer eindeutig ist. Solche Stoffe können teilweise auch in scheinbar frei erhältlichen Produkten auftauchen.
Ähnliche Entwicklung in anderen Regionen
Der Anstieg beschränkt sich nicht auf die tschechische Hauptstadt. Auch Rettungsdienste in anderen Landesteilen beobachten zunehmend Einsätze im Zusammenhang mit Cannabinoiden.
Aus Südmähren berichten Rettungskräfte ebenfalls von einer steigenden Zahl entsprechender Fälle. Eine ähnliche Entwicklung wird aus der Region Mährisch-Schlesien gemeldet. Da die einzelnen Rettungsdienste ihre Einsätze unterschiedlich erfassen und klassifizieren, liegen laut dem Sender jedoch keine einheitlichen landesweiten Vergleichszahlen vor.










