Europäische Bisons aus Prag und Olmütz stärken Population in Aserbaidschan
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Der Prager Zoo hält Wisente seit 1948. Seitdem wurden dort über hundert Jungtiere geboren

Fünf Wisente aus Prag und Olmütz sind in Aserbaidschan angekommen, um die dort wiederangesiedelte Population zu stärken. Der Transport war Teil eines internationalen Projekts zum Schutz der Wisente im Kaukasus. Insgesamt reisten 18 Tiere aus europäischen Zoos in den Nationalpark Shahdag.
Fünf Europäische Bisons (Wisente) aus dem Prager und dem Olmützer Zoo sind im Nationalpark Shahdag in Aserbaidschan angekommen, um dort die wiederangesiedelte Population in freier Wildbahn zu verstärken. Aus ursprünglich vier weiblichen Tieren wurde während der Wartezeit auf den Transport, der wegen des Risikos von Maul- und Klauenseuche verschoben wurde, sogar eine Fünfergruppe: In Prag brachte eine Kuh ein Kalb zur Welt.
Der Transport, der letzte Woche vom Tierpark Berlin und der deutschen Niederlassung des World Wide Fund for Nature (WWF) organisiert wurde, war der bislang größte seiner Art. Insgesamt reisten 18 Tiere zum Fuße des Großen Kaukasus: zwölf Wisente aus deutschen, österreichischen, ungarischen und tschechischen Zoos sowie sechs weitere aus dem Rothaargebirge.

„Die Zusammenarbeit der Zoos ist unverzichtbar. Ohne sie könnten wir solche Projekte nicht durchführen, geschweige denn ins Auge fassen. Ich freue mich, dass die Tschechische Republik Teil dieser internationalen Initiative ist – mit jeweils einem Tier aus Böhmen und aus Mähren“, sagt Barbora Dobiášová, Kuratorin für Huftiere des Zoos in Prag. „Neben dem Transport selbst tragen wir so auch dazu bei, das Bewusstsein für Zoos als Schlüsselinstitutionen des Naturschutzes zu stärken.“
Die Auswahl der einzelnen Tiere übernahm die Koordinatorin des Europäischen Zuchtprogramms (EEP) für Bisons, die ihren Sitz in Berlin hat. Ausschlaggebend waren Alter, Gesundheitszustand und genetische Eignung jedes Tieres. 2024 wurden die Tiere zunächst nach Berlin gebracht, um sich vor dem Transport zu akklimatisieren. Von dort organisierte der Berliner Zoo den Flugtransport mit einer Boeing 777F von Frankfurt nach Baku sowie den anschließenden Landweg in den Nationalpark Shahdag.
„Jeder Schritt einer solchen Transportaktion – von der Auswahl der Tiere über medizinische Untersuchungen bis zur eigentlichen Durchführung – erfordert fundiertes Fachwissen in Veterinärmedizin, Wildtiermanagement und Logistik“, erklärt Christian Kern, zoologischer Direktor des Tierparks Berlin. „Wir begleiten die Wisente während des gesamten Transports, bis sie sicher im Nationalpark ankommen.“

Bereits 2019 startete das Projekt „Rückkehr des Wisents in den Kaukasus“, im Rahmen dessen bisher 64 Tiere nach Aserbaidschan gebracht wurden. Sie vermehrten sich vor Ort erfolgreich: Allein im letzten Jahr kamen neun Jungtiere zur Welt, sodass aktuell rund 90 Wisente im Nationalpark Shahdag leben. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer selbsttragenden Population in ihrem ursprünglichen Lebensraum – der Kaukasus war vor hundert Jahren ihr letztes Refugium.
Wisente haben das Überleben in der freien Wildbahn nur dank zoologischer Einrichtungen geschafft. Nachdem sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgerottet wurden, gründeten europäische Experten die Internationale Gesellschaft zum Schutz des Europäischen Bisons.
Der Prager Zoo hält Wisente seit 1948. Seitdem wurden dort über hundert Jungtiere geboren. Neben dem Tierpark Troja können Besucher die Tiere seit Oktober auch im Gehege in Dolní Počernice beobachten. Bereits in der Vergangenheit stellte der Prager Zoo Bisons für Wiederansiedlungsprojekte zur Verfügung – nicht nur zur Stärkung der kaukasischen Population, sondern auch für den Nationalpark Bieszczady in Polen.








