top of page

Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei

vor 3 Minuten
2 Min. Lesezeit

Experten bergen historische Grabsteine der ehemaligen Gemeinde Dolní Vltavice

Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei
Foto: Klára Sváčková | Museum Fotoatelier Seidel

Der niedrige Wasserstand des Lipno Stausees hat Grabsteine vom früheren Friedhof von Dolní Vltavice freigelegt. Die Bevölkerung des Ortes war vor dem Zweiten Weltkrieg überwiegend deutschsprachig. Fachleute und freiwillige Helfer haben inzwischen mehrere historische Grabsteine aus dem Wasser geborgen.


Das trockene Wetter der vergangenen Monate hat am Ufer des Lipno Stausees mehrere Dutzend vollständige oder zerbrochene Grabsteine freigelegt. Sie stammen vom früheren Friedhof der Gemeinde Dolní Vltavice (Untermoldau), die beim Bau des Moldaustausees verschwand. In zwei Bergungsaktionen wurden insgesamt zwölf steinerne Relikte gesichert. Sie stammen überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


Auf die Grabsteine aufmerksam geworden war laut dem Regionalmuseum in Krumau eine Leserin des Schriftstellers Jan Štifter. In seinem Roman „Vltavice“ verbindet der Autor mehrere Zeitebenen mit der Geschichte des verschwundenen Ortes. Bei einem Besuch am Ufer entdeckte die Frau die freigelegten Steine und informierte Štifter, der anschließend Kontakt zu den örtlichen Wasserrettern aufnahm.


Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei
Foto: Klára Sváčková | Museum Fotoatelier Seidel

Friedhof wurde an dieser Stelle seit 1899 genutzt


Nach Angaben des Regionalmuseums lagen die gefundenen Grabsteine nicht mehr an ihren ursprünglichen Positionen. „Durch den Vergleich von Karten und historischen Fotografien haben wir festgestellt, dass sich die Grabsteine hinter der früheren Friedhofsmauer und damit außerhalb des eigentlichen Friedhofs befinden“, erklärte Museumsdirektor Martin Nechvíle.


Der Friedhof wurde an dieser Stelle seit 1899 genutzt. In den 1950er-Jahren wurden die sterblichen Überreste der dort Bestatteten exhumiert und in ein Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof im nahe gelegenen Černá v Pošumaví umgebettet. Die Grabsteine wurden anschließend offenbar zusammengeschoben. Mit dem Aufstauen des Lipno-Stausees verschwanden sie unter Wasser. „Es handelt sich damit um eine sekundäre und, das muss man sagen, sehr pietätlose Ablagerung“, sagte Nechvíle.


Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei
Foto: Klára Sváčková | Museum Fotoatelier Seidel

Am 20. und 22. September wurden mehrere besonders wertvolle Steine fachgerecht geborgen. Darunter befinden sich auch Sockel ehemaliger Wegkreuze. Das älteste bislang geborgene Stück trägt die Jahreszahl 1849.


Gemeinde verschwand beim Bau des Lipno Stausees


Die Geschichte von Dolní Vltavice reicht bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Der Ort lag an einer bedeutenden Handelsroute zwischen České Budějovice und Passau und verfügte unter anderem über eine Kirche, ein Pfarrhaus und eine Schule.


Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten dort mehr als 400 Menschen, von denen sich die Mehrheit zur deutschen Nationalität bekannte. Nach dem Krieg wurde ein großer Teil der Bevölkerung vertrieben.


Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei
Foto: Klára Sváčková | Museum Fotoatelier Seidel

Im Zuge des Baus des Lipno Stausees verschwand die ursprüngliche Gemeinde schließlich weitgehend unter dem Wasser.


Für Historiker könnten die nun geborgenen Grabsteine neue Erkenntnisse über die früheren Einwohner von Dolní Vltavice liefern. Untersucht werden soll unter anderem, ob sich einzelne Steine konkreten Namen, historischen Fotografien und Familiengeschichten zuordnen lassen.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

tn google news logo 01.png
bottom of page