Glockenturm von St. Nikolaus in Prag präsentiert neue interaktive Ausstellung
Neue Ausstellung verbindet die Geschichte des barocken Glockenturms mit interaktiven Erlebnissen und spannenden Einblicken in die Vergangenheit

Historischer Glockenklang, spannende Einblicke in die Vergangenheit und ein neuer Audioguide: Der barocke Glockenturm auf der Prager Kleinseite lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Stadtgeschichte ein.
Der Glockenturm von St.-Nikolaus (Svatomikulášská městská zvonice) auf der Prager Kleinseite präsentiert seit dem 6. Oktober eine neu gestaltete Ausstellung. Unter dem Titel „Strážce bezpečí“ (Wächter der Sicherheit) erfahren Besucher mehr über die wechselvolle Geschichte des Bauwerks – von seiner früheren Funktion als Feuerwachturm bis zu seiner Nutzung als Beobachtungsposten des kommunistischen Geheimdienstes.
Die neue Ausstellung wurde von Prague City Tourism gemeinsam mit bekannten Prager Kulturschaffenden entwickelt. Das inhaltliche Konzept stammt vom Schriftsteller Vratislav Maňák, der unter anderem mit dem Jiří-Orten-Preis ausgezeichnet wurde.
Im Mittelpunkt steht das Thema Sicherheit, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Turms zieht. Jahrhundertelang diente er dazu, die Bevölkerung vor Bränden und anderen Gefahren zu warnen. Während der kommunistischen Herrschaft nutzte hingegen die tschechoslowakische Staatssicherheit (StB) den Turm zur Überwachung.

Historische Glocke wird zum interaktiven Erlebnis
Ein besonderes Element der neuen Ausstellung ist die mehr als 300 Kilogramm schwere Nikolausglocke aus dem 16. Jahrhundert. Einst rief sie die Bewohner der Kleinseite (Malá strana) zum Gottesdienst und warnte vor drohenden Gefahren.
Besucher können den Klang der historischen Glocke nun über eine interaktive Installation selbst auslösen und anhören. Ergänzt wird dieser Bereich durch eine Präsentation des Projekts „Zvony paměti“ (Glocken der Erinnerung), das mit regelmäßigem Glockengeläut an Menschen erinnert, die sich gegen totalitäre Regime gestellt haben.

Auch ein neuer Audioguide gehört zum Ausstellungskonzept. Die tschechische Version wird von der Schauspielerin Antonie Formanová gesprochen, die englische von der Sängerin Charlie One. Beide begleiten die Besucher durch die verschiedenen Epochen des Turms und vermitteln dessen Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven.
Einblicke in das Leben vergangener Jahrhunderte
Neben den neuen interaktiven Elementen bleiben die historischen Räume weiterhin zugänglich. Dazu gehören die ehemalige Wohnung des Turmwächters, eine sogenannte Schwarze Küche sowie das bereits im vergangenen Jahr eröffnete Tapetenzimmer. Letzteres vermittelt einen Eindruck von den einfachen und oft beengten Wohnverhältnissen ärmerer Bevölkerungsschichten gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Parallel zur Neugestaltung der Ausstellung wurde das barocke Bauwerk teilweise renoviert. Unter anderem erneuerte man die Wendeltreppe zum Glockengeschoss, den Zugang zur ehemaligen Wachstube sowie Bereiche rund um das historische Uhrwerk. Auch der Eingangsbereich erhielt ein neues Erscheinungsbild.

215 Stufen bis zum Aussichtspunkt
Der Glockenturm von St.-Nikolaus in Prag zählt zu den markanten historischen Bauwerken der Prager Kleinseite. Entworfen und begonnen wurde er vom Barockarchitekten Kilian Ignaz Dientzenhofer. Nach dessen Plänen stellte Anselmo Lurago den Bau im Jahr 1755 fertig.
Bis 1891 wurde der Turm als Feuerwachturm genutzt. Erst mit der Einführung eines modernen Feuertelegraphen (Vorstufe des modernen Notrufsystems) verlor er diese Aufgabe. Während der kommunistischen Zeit diente das Gebäude später als Beobachtungsstelle der Staatssicherheit.

Heute ist der Turm vor allem ein beliebtes Ausflugsziel. Über 215 Stufen gelangen Besucher zu einem Aussichtsumgang in 65 Metern Höhe, der einen eindrucksvollen Blick über die Dächer der Prager Kleinseite bietet.
Jedes Jahr besuchen mehr als 50.000 Menschen aus dem In- und Ausland das historische Bauwerk. Mit der neu gestalteten Ausstellung soll die Geschichte des Turms künftig noch anschaulicher vermittelt werden.










