Ein tschechoslowakisches Märchen

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte einer gescheiterten Filmbewegung

Video: Doku HD | ARTE


Die sogenannte Tschechoslowakische Neue Welle entstand zu Beginn der 60er Jahre und brachte große Filmemacher wie Vera Chytilova, Jiri Menzel und Milos Forman hervor. Damals wurde der junge Schriftsteller und Kommunist Jan Prochazka zu einem der gefragtesten Drehbuchautoren und Produzenten. Mit der Neuen Welle schlug Prochazka einen künstlerischen Richtungswechsel ein.


Für Christian Paigneau war die Begegnung mit der Tschechoslowakischen Neuen Welle wie Liebe auf den ersten Blick. Fünf Jahre lang sah er sich sämtliche Filme an, ohne auch nur ein Wort zu verstehen – aber die Bilder sprachen ihn an. Ihm wurde klar, dass die Filmemacherinnen und Filmemacher gelernt hatten, sich mehr durch Bilder auszudrücken als durch Worte, weil sie in einem totalitären Regime lebten. Genau darin liegt die Kraft der Tschechoslowakischen Neuen Welle. Diese Filme finden immer einen Weg, ihre Botschaft zu übermitteln, zum Beispiel durch ein Gefühl oder eine bestimmte Atmosphäre. Es entsteht ein intensiver Dialog mit dem Zuschauer. Milan Kundera erzählte Paigneau von seiner Zeit als Dozent an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag (FAMU). Die Fakultät, die zahlreiche Mitglieder der Tschechoslowakischen Neuen Welle hervorbrachte, war damals ein freigeistiger Ort und förderte die Entstehung einer Gegenkultur.


Doch die Geschichte hat auch ihre Schattenseiten: Filme, die über 20 Jahre hinweg verboten waren, Filmemacherinnen und Filmemacher im Exil, eine gespaltene Kinokultur zwischen Tschechien und der Slowakei und die Frage, warum zahlreiche Meisterwerke im Westen lange nicht gezeigt werden konnten.


Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte einer gescheiterten Filmbewegung. Er handelt vom geteilten Schicksal der Filmschaffenden und ihrem Verhältnis zur Zensur. Gleichzeitig wird die Bewegung durch die Laufbahn des jungen Schriftstellers Jan Prochazka – einer der bekanntesten Persönlichkeiten des Prager Frühlings – von einer anderen Seite beleuchtet. Die einen üben mit ihren Filmen scharfe Regimekritik, der andere ist Mitglied im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und will das System von innen heraus verändern. Doch 1968 kommt die „Normalisierung“ und mit ihr die Niederschlagung des freien Denkens …


Dokumentarfilm von Christian Paigneau (CZ/F 2022, 68 Min)

Video auf YouTube verfügbar bis 22/05/2023

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